Grammy Nachlese

GrammyWenn die eigene Bloghütte bei Google auf der Suche nach “Klingelton+Rory+Gallagher” gefunden wird, dann ruft das den Wunsch der Selbstentleibung auf den Plan. Da mir aber das Schicksal einen Wohnsitz in Niederkassel verwehrt hat, bleibt’s bei dem Wunsch. Die mediale Selbstentleibung der Popularmusik findet eh jedes Jahr in Los Angeles statt. Die Grammy Verleihung. (Meist) blödbratzige Büttenredner, (meist) Paarweise auftretend, kommentieren und prämieren (meist) ohne Rücksicht auf den guten Geschmack Stars, Sternchen und andere Klingeltonvorlagen. Zur Ehrenrettung der Grammy Veranstaltung sei angemerkt, das dieser Eindruck zwingend entstehen muss, wenn man die deutsche Zusammenfassung der Grammy Nacht im Fernsehen gesehen hat. Da tröstet auch kein “Helter Skelter” von Sir Macca drüber hinweg, schon gar nicht, wenn man sich kurz drauf mit Beyonce Beschläfer Jay Z (im, suuuuperoriginelen, John Lennon T-Shirt) zu einem “Yesterday” Ständchen trifft, das einem dem Wunsch nach Selbstentleibung, oder zumindest den Wunsch nach spontaner Selbstentzündung, wieder in Erinnerung ruft.

Genug gemeckert, beim fröhlichen Preiseweitwurf hat’s ja auch den einen oder anderen Richtigen getroffen. Überraschungsfrei aber gerechtfertigt z.B. Emmylou Harris gewinnt einen Grammy als “Best Female Country Vocal”, Shakira ertanzt sich den Grammy für “Best Latin Rock/Alternative” (was mindestens so spaßig ist, wie B.B.King den Grammy für das beste “traditionelle” Bluesalbum zu verleihen) und das Gute obsiegt über das Große: nicht Springsteens “Devil & Dust” gewinnt in der Kategorie “Best Contemporary Folk”, nein, es ist John Prines “Fair & Square”, das den Preis einheimst. Gut so. “Best Boxed Or Special Limited Edition Package” ging nicht an die “Weired Tales” der Ramones, aber “The Legend” geht auch in Ordnung. Genauso wie die “Best Album Notes” für “The Complete Library Of Congress Recordings By Alan Lomax”, das auch gleich noch den Preis für das “Best Historical Album” mitnimmt. Steve Lillywhite sackt den Grammy als bester Non Classical Producer ein und als bestes “Long Form Music Video” macht “No Direction Home” das Rennen. Das der Grammy ursprünglich mal ein Bollwerk gegen die bösen Geister des Rock’n'Rolls sein sollte, manifestiert sich im Preis für das “Best Traditional Pop Vocal Album”. The Winner is: Tony Bennett. Das geht vor allem klar, da die beste “Rock Instrumental Performance” weder an Steve Vai noch an U2 geht. Es gibt nämlich noch soetwas wie Gerechtigkeit: Les Paul heißt hier der Gewinner und wenigstens Green Day wünschen ihm gute Besserung über den Äther. Der gute alte Les Paul nimmt auch gleich noch den Preis für die beste Instrumentalleistung im Bereich Pop mit und muss sich nur beim besten Instrumental Pop Album von Burt Bacharach geschlagen geben. Gut, in der Kategorie war Les Paul auch nicht nominiert, dafür aber Daniel Lanois, Earl Klugh und Eric Johnson. Den Lifetime Achievement Grammy bekam nicht Tom “Pig Champion” Roberts, aber der ist auch erst ein paar Tagen im Punkrockhimmel. Robert Johnson bekommt die Auszeichnung, 69 Jahre nach seinem Dahinscheiden. Das irgendeine Rapnase (statt zB der ebenso anwesenden Bonnie Raitt) die knappe Laudatio spricht, verwundert nicht weiter. Schließlich hat R’n'B zumindest dem Namen nach etwas mit Blues zu tun.

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Na, dann mal los!





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