Netz füttern
Einen schönen Artikel hat der Spreeblick Johnny da geschrieben: Enjoy yourself, gewidmet der Zeit als Musik wieder 2 Schritte tanzbar wurde. Und natürlich gewidmet der Band, die wohl den Ska Ende der 70er am nachhaltigsten zurück auf den Plattenteller brachten und dabei, wie Johnny feststellt, in Würde und mit viel Humor, gealtert sind, nämlich Madness. Neben den Clash erwähnt Johnny noch zwei Bands, die auch für mich Initialzünder in Sachen Offbeat/Reggae/Ska waren. Da waren zum einen die Ruts, deren “Jah War” wohl auf Ewig und drei Eiszeiten mein Lieblingsreggae bleiben wird. In Sachen Punk waren die Ruts auf seltsame Art und Weise ca. 2 Jahrzehnte voraus. Klangen sie ansonsten doch eher nach US Punkpop greendayscher Prägung. Was ja nichts schlimmes per se ist, nur ist’s nicht ganz meine Generationswellenlänge. Trotzdem, ich mochte die Ruts eine Platte lang sehr. Und dann waren da die Stiff Little Fingers. “Inflammable Material” (die ich hier schon mal in einem ganz anderen Zusammenhang erwähnte), die LP mit Bob Marleys “Johnny Was“.
Johnny went out on a Saturday night
Never hurt anybody never started no bar room fight
Johnny never did nobody no wrong
Never hurt anybody never hurt anybody
Johnny was a good man
Das war 1979, ich war 15, also genau in dem Alter wo man nichts kapiert aber auf alles neugierig ist. Bob Marley machte mich neugierig. Ich kaufte mir die “Babylon By Bus“, die 78er Doppel Live LP (es blieb die einzige Bob Marley die ich mein eigen nannte, aber ich beschloß ab sofort Bob Marley auf eine Stufe mit John Lennon zu stellen). Für mich aber noch viel prägender war 78/79 eine ganz andere LP. Die “Outlandos D’Amour” von The Police, deren Sänger und Bassisten Sting ich beim besten Willen nicht auf eine Stufe mit Lennon stellen würde, dafür verdanken wir ihm eine geradezu visionäre Plattenkritik im MusikExpress (damals noch ohne SOUNDS, dafür mit Steve Lake). Eben dieser Steve Lake schrieb zur “Outlandos D’Amour“:
Diese Band wird dafür sorgen das eines Tages Punks und Eric Clapton Fans friedlich zusammen vor der Stereoanlage sitzen…
Recht hatte er. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die aus einem Vierteljahrhundert Musikmagazine lesen bei mir wirklich hängen geblieben sind. Eben diese Plattenkritik von Steve Lake und das letzte Titelbild des SOUNDS (bevor es vom MusikExpress einverleibt wurde): Jeffrey Lee Pierce, mehr Blondie als Debbie Harry es je war. Police fand ich im übrigen auch nur gerade mal 1 1/2 Platten lang wirklich gut.
Letztendlich waren es aber weder die Ruts, noch Clash, noch SLF und auch nicht Police die mich wirklich für den Offbeat begeisterten. Es war Elvis Costello. “(I don’t want to go to) Chelsea” und “Watching the Detectives” hieß der Stoff durch deren Offbeats sich die nölig/keifende Stimme Costellos fräste. Nur Graham Parker erreichte kurzfristig diese Intensität mit “Hey Lord, don’t ask me questions“. Und dann kam die erste Specials LP. Schweißtreibend, tanzbar, 2-Tone Label, von Elvis Costello produziert. 2-Tone, das hauseigene Label der Specials, veröffentlichte natürlich auch The Selecter und die Band, die humorvoll und in Würde altern sollte: Madness. Und warum erzähl ich das alles? Spreeblick Johnny hat das letzte Wort:
Es geht letztendlich darum, das Netz zu füttern. Mit allem, was in unseren Köpfen und Herzen herumspukt.
Kommentare
5 Kommentare zu “Netz füttern”
Na, dann mal los!
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Police hätte man erwähnen sollen, stimmt… durch Stings Werdegang habe ich die irgendwie verdrängt. :) Dennoch gehörten sie auch zu denen dazu, die einem Reggae nähergebracht haben, absolut.
Moin Johnny, gestern war der Beitrag ja noch nicht ganz fertig. Elvis Costello fehlte. Und (viel wichtiger), dein Zitat fehlte auch.
Jah War war wirklich einer der herausragendsten Songs in diesem Genre. Hab ich letztens nochmal auf einem uralten Mixtape entdeckt und erst dann gemerkt, wie sehr er mich damals beeinflusst hat. Dass die Specials von Elvis Costello produziert wurden, ist mir neu - hier lernt man ja echt was!
Bei der Zeit gibt es ‘ne Super-Übersicht über die Roots von Reggae und Ska. Und heutige Vertreter des manchmal so genannten 3rd Wave Ska, (Ska-Punk, der ja schon mit Ruts, Clash, Stiff Little Fingers etc. anfing), sollte man auch mal erwähnen: z.B. Voodoo Glow Skulls, Mighty Mighty Bosstones, NoFX, Mad Caddies, Operation Ivy (bzw deren Nachfolgeband Rancid)…
Von den Hamburger Vertretern dieses Genres finde ich z.B. Dubtari super. Und letztens habe ich The Crooners entdeckt, auch sehr geil!
Dubtari hatte ich mal auf dem Rockspektakel gesehen/gehört. Fette Bande, hat gefallen. Die Crooners sagten mir bisher nichts, aber der Name Uwe Seemann sagt mir was. Muß mal Uwe anmailen ob das der Uwe ist den ich meine.
Sagt dir Foxy noch was? Hamburger Ska Kapelle von vor ungefähr 100 Jahren (oder ist’s erst 20 Jahre her?). Mit denen hab’ ich mal einen Proberaum geteilt und mit dem Keyboarder später eine kleine Cajun Kapelle. Klein ist die Welt.
Nee, sagt mir nix, ich bin aber auch erst seit ‘94 Hamburger. Dubtari hat mir ein Freund aus meiner alten Heimat im Rheinland nahegebracht. Dort ist eine kleine Reggae-Hochburg entstanden, wie mir scheint (das Summer Jam Festival ist ja das größte Reggae-Festival Europas soweit ich weiss).
Schon lustig, dass ich hier noch nie von Dubtari gehört habe, dann bekomme ich sie 500 km weg von Hamurg vorgespielt, komme zurück und was fällt mir auf dem Weg vom Bahnhof nach hause ins Auge? Ein Dubtari-Plakat!
War ein super-Konzert im Knust. Später hab’ ich sie noch mal im Indra gesehen, aber leider nicht in voller Besatzung. Hat trotzdem ‘ne Menge Spass gemacht.