Neubauten (fast) ohne Industrie

Bereits 2003 kam die erste Einstürzende Neubauten CD raus, die von weltweiten Online-Unterstützern der Neubauten finanziert wurde. Im Herbst 2006 soll die Live DVD kommen, wieder Unterstützer finanziert. Wie das ganze (fast) ohne klassische Musikindustrie funktioniert, beschreibt Matthias Spielkamp auf iRights.info. Ausserdem gibt’s auf iRights.info eine schöne Neubauten Fotostrecke von Michael Mann. Seine Bilder stellt der bekannte Berliner Fotograf das erstemal unter Creative-Commons Lizenz vor. Mehr zu CC Lizenzen gibt’s natürlich auch bei iRights.info zu lesen.

Kommentare

16 Kommentare zu “Neubauten (fast) ohne Industrie”

  1. Einsturzbüschel am 16. April 2006 8:41 pm

    Also ich weiss nicht. Ich halte das, glaube ich, für Abzockerei. Die klassische Plattenfirma vergibt einen Vorschuss, der Verrechenbar ist mit deren Einnahmen (neben den Marketingkosten usw.) D.h. von den 15 EUR pro CD finanziert die Firma die Produktion via Vorschuss, die Presskosten u.s.w.

    Die Neubauten sind ihre eigene Firma, sind darüberhinaus ziemlich reich und haben dann auch noch ihr eigenes Studio. Die Produktionskosten sind also weitaus geringer als für eine Band ohne Studio. Erstmal finde da ich die Behauptung verlogen, sie bräuchten die Fans, um durch Abos das album zu finanzieren. Dann bezahlen die 100 EUR im Jahr, und wenn man jetzt mal annimmt, die würden pro Jahr ein album rausbringen, dann bezahlt der Fan 85 EUR mehr dafür als für ein reguläres im Plattenladen. Davon streicht die Band dann ALLES ein, also den kompletten Profit inkl. dem imaginären “Vorschuss”, wobei der Gewinn um so grösser ist, da sie ja auch ihr eigener Vertrieb sind. Die ganze Geschichte ist also eher ein Marketingtrick als eine Vorschusszahlung, was die Sache quasi noch perfider macht, da die Band die Fans für das eigene Marketing noch bezahlen lässt.

    Das dann mit dem “Mehrwert” zu begründen, naja, wer Zeit genug hat, sich den Quatsch per webcam anzugucken und dann auch noch im Chat darüber diskutieren möchte, fein. Aber dann gibts ja auch noch die Neuibauten.org mailadresse und da macht sich Bargeld schlicht lächerlich, wenn er den “Image-Verkauf” der Plattenfirmen kritisiert, denn genau davon leben die Neubauten seit spätestens 1989 / Haus der Lüge. Oder warum waren die wohl lange Zeit für das Goetheinstitut unterwegs?

    Ich kann mir schon vorstellen, dass das ein interessanter Weg sein könnte, aber wenn Millionäre das als Existenzvoraussetzung verkaufen, ist das ein Witz.

  2. Boogie am 17. April 2006 11:30 am

    Als Fanbueschelleiter muss ich da mal widersprechen. Die Neubauten sind ja weder das Rote Kreuz noch Mutter Theresa. Es ist doch nichts verwerfliches daran, das das Unterstützer Projekt sich offenbar erfolgreich selbst trägt und Gewinn abwirft. Nur so kann weiter investiert werden. In Offshorespeedboats, schnittige Lamborghinis, oder auch einfach in weitere Kunst, Studioequipment, Kühlschrank und Zeit.

    Btw. Die 15 Euro Rechnung als Rechtfertigung für den CD VK Preis hinkt. Du weißt das und Tim Renner auch. Es würde mich wundern, wenn in der MI überhaupt jemand sitzt, der an das CD Preismärchen (ernsthaft) glaubt.

    Natürlich kann man sich trefflich streiten ob eine CD 100 Teuro wert ist, wenn man deiner Rechnung folgt. Angesichts dessen, was ein Klingelton heute kostet, könnte ich dem sogar folgen. Man kann sich auch fragen ob der Mehrwert (z.B. Chat über den nächsten Neubauten Zahnarztbesuch inkl. Mailadresse wie zahnarzt(ät)neubauten.org) den Hunderter Wert ist. Was ist Kunst überhaupt wert? Gute Fragen, die du und die Neubauten da aufwerfen.

  3. Abzockbueschel am 18. April 2006 2:50 pm

    Klaro sind 15 EUR questionable (wobei: Alle regen sich über den Preis auf, aber noch niemand hat einen vernünftigen und praktikabelen Vorschlag gemacht, wo in der klassischen Distributionskette gespart werden kann.), aber das war ja nur mal als Vergleich gedacht. Und gegen reich sein habe ich auch nichts, aber ich finde es verlogen, wie die das aufziehen.

    So wie ich das sehe, bekommt man für 100 EUR EINE CD. Dazu noch killefitz, der bei anderen Bands teilweise für lau zu haben ist (Diskussionsform z.B.) Verbrämt wird der Preis mit angeblicher “Finanzierung”, deren Notwendigkeit ich leider beim besten Willen nich erkennen kann.

    Wenn jedem 15 EUR für eine CD zu viel sind, warum sind dann 100 EUR plötzlich ok? Und das hat noch nichtmal was mit dem Wert von Kunst zu tun. I don’t get it.

  4. Mr. Nap am 18. April 2006 4:17 pm

    Die Preisdiskussion über CDs ist doch auch von uns Verbrauchern ein bißchen scheinheilig. Ist es auch nicht so, das durch die Möglichkeit der vielen kostenlosen Kopier und Downloadmöglichkeiten es einfach zu einer Verzerrung in unserer Preiswahrnehmung gekommen ist? Ne CD kostet doch heute durchschnittlich zw. 15 und 18 €. Anfang der 90er Jahre haben durchschnittlich 30 DM gekostet (ca. 15€). Wenn ich jetzt mal die durschnittlich von der EZB (bzw. Bundesbank) angestrebte Inflationsrate von 2% der letzten 16 Jahre abziehe komme ich bei heutigem Preis von 15 bzw. 18 € auf einen Wert von 10,85 bzw. 13,03 €. Nach meiner Rechnung müssen wir also weniger für eine CD zahlen.

    Allerdings haben sich unsere Konsumfelder verschoben und die Lohnentwicklung hinkt der Inflationsrate hinterher.

    Und wenn ein Label seine CDs für 8-10 € an den Großhandel/Vertrieb weiter gibt und man dann noch GEMA, Artistroyalties und Presskosten abzieht, dann ist doch frage was übrig bleibt. Und die Angestellten sollen ja auch noch bezahlt werden. Und die Entlohung ist ja bekanntermassen auch nicht so rosig.

    Ich würde mir natürlich auch mehr CDs kaufen wenn die Preise billiger wären. Aber ich würde mir auch ein Auto kaufen wenn ich es mir leisten kann und eine Raubkopie ein Polos kann man sich leider nicht machen.

    Nur mal so zum Denkanstoß.

  5. Boogie am 18. April 2006 5:15 pm

    Latürnich sind es zwei Paar Stiefel, ob wir jetzt über 100 Euro für eine CD oder 15 Euro für eine CD sprechen. Beides ist mal locker zuviel. Punkt. Das Medium CD wurde, blinkende Dollarzeichen im Auge, überteuert eingeführt. Damals war “Digital” noch so eine Art Zauberwort mit Gelddrucklizens. Der MI ging es blendend, die Homfucking is killing Music Diskussion war eher ein Scheingefecht, das davon ablenken sollte, das der MI nichts wirklich Neues/Aufregendes einfallen wollte. Die CD kam gerade recht. Billig in der Produktion, angeblich HiFitechnisch seligmachend (weil ja digital) und überhaupt unkopierbar. Nachdem dann auch noch sehenden Auges die wirkliche digitale Evolution verpasst wurde, war das Gejammer groß. 10 Euro pro CD Durchnschittspreis ist immer noch zu teuer. Punkt. Millionenvorschüsse für die Whitney Hustens dieser Welt sind rausgeschmissenens Geld, Fehlinvestitionen für die der Verbraucher mitzahlt. Im Händlerabgabepreis allein steckt mehr Mutlosigkeit und Inkompetenz, als ich bereit wäre für einen Industrie-Tonträger zu zahlen.

    Ich finde im übrigen, das die Rechnung “100 Euro = 1 Neubauten CD = Abzocke” etwas einfach gestrickt. Ersetzen wir doch einfach mal das Wort “Unterstützer” durch “Klein-Mäzen” und nehmen das als ein mögliches Model unter vielen und bringen dann noch das Wort “Kultur Flatrate” ins Spiel, denken über alternative Lizensierungsmodelle nach und so weiter und so fort…. ich find das spannend.

  6. the thin man am 18. April 2006 7:10 pm

    Schön das man immer noch selbst entscheiden kann, ob man das machen will. Der Hardcore Fan macht es und sagt”ich habe die neue Neubauten CD mitfinanziert”, der andere eben nicht. Klein Mäzen ist treffend formuliert. Ich weiß z.B. nicht wann ich mir die letzte CD für 30€ gekauft habe, die Abzocke unterstütze ich nicht. Die MI jammert seit Jahren über schwindende Absatzzahlen und fragt sich nicht, warum es so ist. Senkt die Preise und ihr werdet euch vor Kohle kaum retten können. Verdienen tun sie immer noch genug daran. Die Mär von wegen Produktionskosten glaubt doch schon seit Jahren keiner mehr. Boogie sagte es schon, auch Vorschüsse braucht kein Mensch für Künstler, die auch kein Mensch mehr braucht. 15€ ist übrigens noch billig, neulich wollte eine Kette die mit dem Slogan “Geiz ist geil” wirbt, stolze 22€ für die Kate Bush “Aerial” von mir, die ich dann bei der Konkurrenz für 9,99 erstand.
    Es gibt billige CD´s man muß nur wissen wo man sie findet und Auto´s, naja, ich bezweifle das man diese in der Großstadt braucht, dann lieber mehr CD´s.

  7. Mr. Nap am 18. April 2006 7:51 pm

    Die MI oder die Majorlabels will ich hier nicht verteidigen und mein Autovergleich hinkt. Gebe ich zu. Das Problem der MI liegt meiner Meinung nach eher am Programm was sie haben. Gut sie haben die Möglichkeit bei “großen” Künstlern an der Preisschraube durch größere Absatzmengen an zu drehen. Aber jetzt mal weg von den Major.

    Was ist eigentlich mit den kleinen Labels? Die von den meisten Platten um 1500 Einheiten absetzen. Wenn es mal gut läuft 5000. Die haben keinen großen Spielraum. Von 8 € Umsatz muss dann alles bezahlt werden: Löhne, Miete, Instandhaltungskosten…Die kämpfen des öfteren mal ums überleben oder können sich wegen einem Künstler über Wasser halten.

    Auch wenn die CDs drastisch billiger werden glaube ich nicht das die Mehrheit der “Konsumenten” mehr CDs kaufen, weil wir in unserer Gesellschaft eine ganz groß ausgeprägte “Geiz ist geil Metalität” hat und/oder weil sie umsonst irgendwo her haben können. Kunst ist ja ein kostenloses Gut für alle, oder? ;)

  8. Boogie am 18. April 2006 8:29 pm

    Ich bin überzeugt, das gerade die Kleinen eine Chance über eine realistische Preispolitik hätten, da eben kein überfrachteter Wasserkopf und Glaspaläste mitfinanziert werden müssen. Die (technischen) Voraussetzungen sind heutzutage günstiger denn je.

  9. Einsturzbüschel am 19. April 2006 9:35 am

    Haben sie nicht. Mein letzter Laden hat 6,70/CD vom Vertrieb bekommen, das war’s. Die Zeit, wo man von einem normal promoteten Titel 1500 St. abgesetzt hat, sind lange vorbei. Wenn’s gut läuft, dann kriegt man 1000 weg. Von den 6000 EUR bezahlt man dann schonmal 1000 an die Gema, dann behalt man nochmal 1500 ans Preßwerk. Von den 3500 muss man dann noch die Promokosten abziehen, der Künstler kriegt dann ja auch noch ein bischen und vom Rest kann sich die Labelbelegschaft einen schönen Urlaub auf den Bahamas leisten? Ich kann mich nicht an Glaspaläste erinnern.

    Die CDs sind nicht zu teuer für die Vertriebsstruktur, die wir haben. Sie sind eher zu billig. Aber da es bald eh keine Plattenläden mehr gibt ausser Saturn, Media Markt und Amazon kann man sich den Vertrieb auch sparen, vielleicht wirds dann ja billiger.

    Das mit den Klein-Mäzen wäre ein wirklich schöner gedanke, wenn die NBTN das a) nötig hätten und b) auch so verkaufen würden. Tun sie aber nicht.

  10. Boogie am 19. April 2006 11:19 am

    Ich kann mich an einen Glaspalast erinnern, schräg gegenüber vom Hamburger Hauptbahnhof. Eine Weile ging ich da ein und aus, mit ‘ner kleinen Rockistenkapelle, aber irgendwie war (zumindest mir) von vorherein klar: die werden nix für uns tun, weil wir nix dafür tun können diesen Glaspalast (inkl. der Wasserköpfe) mitzufinanzieren. Dann zog der Palast weiter, jetzt ist die Universal in Baaalin. Ist ja auch ok, sollen sie weiterziehen, Klingeltonmusik produzieren und auf hohem Niveau klagen, das früher alles besser war.

    Ich glaube auch nicht, das das Wunderrezept für die kleinen Labels ist: “Lasst uns auf Weltweitdickematte machen und die Großen imitieren”. Warum sollte das, was bei den Großen scheitert, bei den Kleinen funktionieren? Stichwort Vertrieb: ich will 1000 CDs verkaufen. Bitteschön, wozu brauch ich dafür die Geiz-ist-geil Märkte? Und wozu einen Vertrieb bezahlen, wenn meine CD im Geiz-ist-geil Markt besch…. platziert wird und dann noch jemanden bezahlen der meine Rückläufer einlagert u.s.w. Nehmen wir dann nochmal an, das mein potentieller Käufer zwar auch diese Geiz-ist-geil Märkte besucht, aber doch sicher nicht um meine CD zu finden/kaufen. Da kauft er pillich einen Computer und mit dem geht er ins Netz. Natürlich macht das Netz allein nicht glücklich. Mein potentieller Kunde geht auch zu meinen Gigs. Wenn’s ihm gefallen hat, nimmt der eine oder andere auch noch meine CD mit. Für 5 Euro z.B. Die CD ist limitiert. 100 - 500 Stk, wenn ich sehr gut bin 1000 Stk. Du kannst sie natürlich auch im Netz bestellen. Dann kommen Versandkosten dazu. GEMA? Bin ich Grönemeyer? Ich weiß, ich weiß, Träumerei… vielleicht ist Verschenken ja auch das richtige Konzept. Dann brauch ich aber wirklich bald einen Mäzen.

  11. Abzockbueschel am 19. April 2006 4:38 pm

    In die Mediamärkte kommt man als Indie nicht mehr, da muss man mittlerweile rackspace KAUFEN, das kann man nicht natürlich nicht leisten.

    Dein Vorschlag, den Vertrieb zu umgehen, übersieht aber eines: Ohne Vertrieb wird es keine Radiostation und keine Magazin geben, über das der Kunde von Deiner CD erfährt, Du wirst keinen booker finden, der Dir ohne Vertrieb und Promo eine Tour bucht, und wenn Du das selber machen willst, wird Dich aus o.g. Gründen kein Club auf seine Bühne lassen.

    Im übrigen muss das Presswerk eine Produktion an die GEMA melden, und Du MUSST dafür die .098 ct abdrücken, ob Du willst oder nicht. Folglich kannst Du Deinen online -Kunden noch nicht mal ein Produkt anbieten, das dem Standard entspricht.

    An dem ganzen Ringelpietz hat sich seit Jahren nichts geändert und das wird es auch vorerst nicht, weil nämlich genau das auch eine Filterfunktion vor Scheisse ist, die es leider mehr als Gold gibt.
    Die Denke ist doch die: Wenn noch nicht mal ein Label Deine Platte will, warum sollte ich mich dann als Booker, Redakteuer oder Schreiberling mit Deinem Zeug beschäftigen? Und so denkt das Gros der Kunden doch auch.

    Downloads hin oder her: Nur, weil sich ein Vertriebsweg ändert, steht man immer noch vor den gleichen Schwierigkeiten.

  12. Boogie am 19. April 2006 5:17 pm

    Gut, das Argument mit dem Rackspace zieht. Aber da ich davon ausgehe, das mein potentieller Kunde eh nur sein Compuder im Geiz-ist-geil Markt kauft… gut, Radio, Musikmagazin. In welchem Radio würde ich denn gespielt werden? Zwischen den Klingeltonkrams und zwangskumpelnden Moderatorenquiznelken? Nee, nee, ich spreche hier vom ganz kleinen Brötchen und da tut’s auch der Podcast. Und Magazine? Hmmm, klar, ich würd mich ja über ‘nen Artikel im Rolling Stone freuen, aber mal ehrlich, bringt mir das was? Ein bisken Egogeputze und fertig. GEMA ist natürlich ein Problem. Das war sie aber schon immer. Und Standard? Ich bitte dich, wieviele Un-CDs versucht die MI zu verticken? Und last but not least: die Filterfunktion Scheiße vor Gold wirds immer geben. Ich find das auch nicht schlimm, so als goldenes Brötchen. Vertriebswege ändern ist nur ein Schritt von vielen…

  13. Einsturzbüschel am 19. April 2006 7:20 pm

    Na klar ist das immer eine Frage des Maßstabes. Aber wenn man irgendwann keine Lust mehr hat, im Jugendzentrum Wolfenbüttel vor 3 Zahlenden zu spielen, dann wird man um all die o.g. Dinge nicht herum kommen. Und Ziel wird doch zumeist sein, wenigstens zum Teil von der Musik Leben zu können.

    Mal davon abgesehen ist die Qualität der Musik oftmals von der Intensität abhängig, mit der man sich ihr widmet. Das muss man eben finanzieren. Kann man aber nicht, wenn niemand über Dich schreibt oder spielt (und da gibt es durchaus noch einige, wenn auch in immer kleinerem Maßstab, aber es gibt tatsächlich noch engagierte Rundfunkmoderatoren - Christine Heise, Thomas Meikecke, usw.

    Es geht da aben nicht ums Egostreicheln, sondern einfach darum, das Du mit einem RS feature auf einmal in Clubs spielen kannst, die Dich normalerweise nicht gebucht hätten.

    Und mit Standard-CDs meine ich folgendes: Wenn ich mir eine CD kaufe, will ich schönes Produkt. Mit Sicherheit will ich keine Selbstgebrannte mit schlecht kopiertem Cover.

  14. Kabinenmann am 20. April 2006 1:07 pm

    Aber wenn ich 0.09 cent pro CD bezahle sind das doch nicht 1000 Euro für 500 CDs, oder?

    Und Einwand, Herr Haarbüschel: diese Filterfunktion der Labels schön und gut. Aber die Arroganz des ganzen Betriebs, diese Türsteherverliebtheit, hat dazu geführt, dass es in unserem Land keine musikalische Regionalliga mehr gibt. Hier wird nähmlich eher die unbedeutende englische Band oder des einen jeweils angesagten deutschen Labels gebucht/gespielt/beschrieben als dass man mal jemand die Augen aufmacht. Und so geht ein Markt verloren. Und dann auch jede Menge Kultur.

    Die Alternative “3 Leute in Wolfenbüttel oder die Seele verkaufen” ist Realität, aber deshalb ist sie noch lange nicht gut. Und notwendig ist sie nur, wenn man resigniert hat.

  15. Haarbueschel am 20. April 2006 8:08 pm

    Vertippt: Das sollte Achtundneunzig cent heissen. Sorry.

    Die Filterfunktion der ganzen Verwertungskette hat selbstverständlich erhebliche Nachteile, da gebe ich Dir vollkommen Recht. Vor allem ist sie der Quantität nicht gewachsen, wie man in den letzten Jahren sehen konnte, also schreiben alle von allen ab und spielen nur das, was sie kennen, denn wenn man keinen Konsens mehr herstellen kann in den Medien, dann kann es ganz schnell passieren, das man weg vom Fenster ist. Glauben die zumindest, glaube ich.

    Aber trotzdem: 99,99% von allem, das Leute so produzieren ist Müll. Frag jeden A&R.

    Ich sehe das Nutzen der klassischen Verwertungskette im übrigen in keinster Weise als Seelenverkauf an. Auch, wenn ich das natürlich nicht toll finde: Ich kann verstehen, warum man das als booker, label, Verleger, Kunde als Filterfuntion akzeptiert

    Ich würde sogar sagen, dass sie immer noch notwending ist, und ich habe in keinster Weise resigniert. Es bieten sich aber eben - zumindest aus meiner Sicht - keine Alternativen, die ich (vor allem Zeit-)ökonomisch vertreten könnte.

  16. Kabinenwald am 21. April 2006 9:55 am

    Ach um Himmels Willen, ich möchte nun nicht da stehen wie ein verhinderter Popstar, ich bin ja schon und durchaus und ein wenig befangen. Aber das mit den 99,9%, das glaube ich nicht. Und diese weit verbreitete Ansicht ist dann auch ein Indiz für das derzeitige nichtfunktionieren der “Filterfunktion”.

    Ich denke zwar schon, dass es Mengen von Mist gibt, aber die Art der A&Rs und auch der Clubs und aller anderen der Bösen, die Nase zu rümpfen ist schon recht extrem ausgeprägt im Moment (und in diesem Land.) Nicht zuletzt der Herbert Grönemeyer hat ja gesagt, das er seine eigene erste Platte nicht genommen hätte.

    Und in diesem Umfeld wird so manch einer von dem Schritt, sich überhaupt an die Verwertungsmafia zu wenden, gründlich überlegen. Und irgendwann die Instrumente in die Ecke stellen. Das ist in etwa das, was ich fehlende Reginoalliga nannte.

    Das heisst überhaupt nicht, dass ich glaube, dass eine Arbeitsteilung in dem Bereich nicht sinnvoll ist. Sie ist sogar sehr notwendig. Ein Musiker, der sich um so einen Kram kümmert und zugleich (mit dem Verkauf von Platten) etwas Geld verdienen möchte wird keine Zeit mehr für Musik haben.

    Ich denke aber, dass es im Low Budget Bereich nicht funktioniert. Und damit wären wir wieder beim Netz, welches in diesem Bereich sehr gute Möglichkeiten bietet. Übrigens auch für die kleinen Labels. Und damit wären wir auch wieder bei der Resignation, ein zugebenermaßen etwas hart gewählter Ausdruck.

Na, dann mal los!





      Ist mir Latte

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