Kick out the Klingelton
Wieviele Klingeltöne kann man bei MTV in 3 Minuten 20 verkaufen? 3:20, eine gute Rock’n'Roll Single Länge. Singles, diese kleinen schwarzen Dinger wo immer, aber auch immer, der kleine Plastikstern in der Mitte fehlte wenn man ihn brauchte. Wer klug war hatte ein Universalplastikdingens (wie hießen diese Dinger nur?) auf seinem Plattenteller. 3:20 brauchte der Soulfather of Punk, Rob Tyner (RIP), um die erste Strophe von “Kick out the Jams” zu singen. 3:20 quälten und bissen sich die Gitarren von Wayne Kramer und Fred Sonic Smith (RIP) durch einen, anders kann man es nicht beschreiben, verfickten Lavastrom. Der Song war schon 4 Jahre alt, als MC5 ihn im Beatclub zerlegten. Es sollte noch 4 Jahre dauern bis Punk das nächste große Ding war. Noch 9 Jahre bis MTV und weitere 6 Jahre bis zu den weitsichtigen Zeilen der Death to false Comedy Kapelle des großen Ex Dictators Ross The Boss: “Wrote a letter to the MTV. What’s goin’ on now. Don’t ya care about me?“. 18 Jahre später singt der Boss vom Boss, Handsome Dick Manitoba bei den MC5.
Dass ich heute kaum noch MTV anschalte, beweist, dass der Sender vielleicht doch noch funktioniert. Ich habe keine Ahnung, was an Pimp-My-Goldkette unterhaltsam sein soll, ich kann Videos von Typen mit Knarren, denen Ladies in Gucci unbedingt an die viel zu große Jogging-Hose wollen, höchstens vier Minuten lang ertragen und immer wenn ich anschalte, liest mir eine nervende Stimme minutenlang Klingelton-Codes vor. Ich bin zu alt für MTV. Und so soll das wohl auch sein.
Spreeblick Johnny 25 Jahre MTV
Signed. 25 Jahre MTV, aber wenn ich mir das MC5 Video so anschau, dann will ich den Beatclub wiederhaben. Kick out the Klingelton. Afro Detroit statt Aggro Berlin. Pimp my Punk.
YouTube Direktpimp: Kick out the Jam - MC5 im Beatclub 1972. Wie weit MC5 ihrer Zeit wirklich voraus waren, kann man in diesem YouTube Video von “Kick out the Jams” sehen. Fred Sonic Smith trug damals schon Bühnenkleidung die das Moorhuhn und Schnappi das kleine Krokodil vorwegnahmen.
Kommentare
4 Kommentare zu “Kick out the Klingelton”
Na, dann mal los!
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dings @ identi.ca
Wundervoll.
Wobei “Sent the same letter to the radio. But my party went dead like a shot in the head” den Nagel ja ganz ähnlich trifft. :-)
Grossartig. Die dicksten Eier von Detroit. Vor ca. einer Ewigkeit habe ich den Song im Radio gehört undmir so-fort die CD gekauft. Wahnsinn. Aber schade, dass die Qualität der Songs doch sehr schwankt.
Hihi, die beiden Herren in einem Kommentar, die beide für meine momentane DuRöhre Exkursionen verantwortlich sein. Der Felix, weil ich Sellings Bananas ewig schon in YouTube verpacken wollte, weil der Felix da wirklich Film vom Feinsten gemacht hat und das Haarbueschel, weil’s mit der Winkekatze gezeigt hat: Ich kann das auch. Danke Jungens.
@ Der Felix: Das du den Song kennst, war mir klar. Ich muß zu meiner Schande gestehen, das ich bisher nicht wußte, das Dictators Ross The Boss Gründungsmitglied der Death to false Fellhosen Kapelle war. Da bin ich erst drüber gestolpert als ich recherchiert habe, was der Rest von MC5 heute so macht.
@ Dickeeierbueschel: Stimmt, die drei regulären MC5 LPs sind ziemlich durchwachsen. Live muß das aber die Hölle auf Rädern gewesen sein. Mitch Ryder erzählte mir mal vor Jahren das Rob Tyner hätte einer der größten Soulsänger Detroits werden können, wenn “seine Band nicht so beschißen gewesen wäre”. Was ich im übrigen auch von Mitch Ryder denke ;-)
Was mich immer wieder umhaut ist diese unglaubliche Mischung aus durchgedengelter Kreativität, Krach und Kunst die aus dem Dunstkreis des CBGBs kam. NYC war in den Jahren der Nabel des Punks und London erscheint mir manchmal nur die Nachgeburt gewesen zu sein. Ist schon spannend, wenn einer in NY einen Country BlueGrass Blues Club aufmachen will…
Mein Gott, was sind denn das für Frisuren. Zumindest eine.