Notizblog No.13

Momentan herrscht mehr oder weniger Stille in meiner kleinen Bloghütte. Nicht das es nichts zu erzählen geben würde, aber eben auch nichts, was ich als blogkompatibel bezeichnen würde. Und ob openBC jetzt Tschingtschangtschong 2.0 oder twixDC heißt, geht mir gepflegt am Allerwertesten vorbei.

Also bleibt nur zu notieren: nächsten Donnerstag legt das Loveboat mal wieder in der kleinen Kuschelwerft des Club am Donnerstag an. Kann man sich gut merken - Donnerstag, Club am Donnerstag, oder? Serviert wird übrigens die Vorsuppe für Eric Taylor und der hat auch schon mit Lyle Lovett

St.Pauli Stillleben

Immerhin findet Technorati 62 Blogger, die über das Reeperbahnfestival berichteten. Ganz so viele fanden am Samstag jedoch nicht den Weg ins Drafthouse. Selbst der Blogger mit dem kürzesten Anreiseweg verirrte sich nicht in den Hinterhof neben dem Molly Malone. Der Cpt.Stubing & the Loveboats Gig fand sozusagen - mehr oder weniger - unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Trotzdem, ein schöner Auftritt und Inspiration für ein kleines Stillleben:

Reeperbahnfestival Stillleben

Talentscout, zu spät…

Im allgemeinen genießen die großen Plattenfirmen ja eher den Ruf nicht besonders geschmackssicher zu sein. Völlig unbegründet, wenn ich meinem Tracker trauen darf. Suchte doch heute Vormittag jemand bei der EMI das beste Album von Gram Parsons und landete in meiner kleinen Bloghütte. Leider zu spät *. Vor 3 Tagen und 33 Jahren verstarb der Cosmic Cowboy. Ich hab’ gleich mal bei der EMI Deutschland nachgeschaut, ob die was von Parsons im Angebot haben. Haben sie nicht. Capitol Neuseeland, Tochterfirma der EMI, hätte wenigstens die “Warm Evenings” im Angebot. Mein Tipp wäre jedoch die “The Complete Reprise Sessions” Box auf Rhino Records.

EMI sucht Gram Parsons
* Naja, ich hab’ den Todestag ja auch verpasst, was ja eigentlich in meiner kleinen Bloghütte eher unüblich ist.

Here goes the summer

Gestern öffnete die Popkomm in Berlin ihre Pforten. Die Eröffnungs Keynotes sprach Feargal Sharkey. Ja, genau der Feargal Sharkey. “Here comes the summer“, “A Good Heart” und vor allem “Teenage Kicks“, die kleine Teenagepunk Hymne, die John Peel so berührte, das er sie zu seinem Alltime Favorite erklärte und gleich zweimal hintereinander im Radio abspielte. Eben jener Feargal Sharkey war damals Sänger der Undertones. Heute ist er Chairman des Live Music Forums.

Ich hab’ ja ein wenig die Hoffnung, das Spreeblick Johnny vor Ort war und noch berichtet. Das wäre er schon schuldig, taucht doch in den Kommentaren zu seinem Bekenntnis: “Ich bin schuld” der Name Lou Pearlman auf, dessen geringster Makel sicher seine Verwandtschaft mit Art Garfunkel ist. Ansonsten hat Mr. Pearlman nichts, aber auch gar nichts (in Zahlen: absolut nichts) mit Musik zu tun und darum wird Mr. Backstreetnaturalus5 auch die Keynote III “The Art to Supply Artists” auf der Popkomm präsentieren. Das allein wäre schon ein Grund die Popkomm in Grund und Boden zu boykottieren, wozu ich natürlich nicht aufrufe und stattdessen in Anlehnung an RA U. Vetter verkünde: “Meine Freundin Katja und ich fahren nicht zur Popkomm“.

Apropos Berlin und Mr. S*nnenschein Here comes the Summer, sehr gefreut hab’ ich mich über den wohlfeilen Musikgeschmack des Other Times Blogs.

… der Soundtrack zum Befahren einer bunt gefärbten Herbstallee bei schönsten Sonnenschein. Schön traurig, melancholisch und sowas von Country UND(!) Western, dass es schon weh tut.

Auf dass der Herbst so schön wird, wie es der Sommer war.

So endet der Sommer doch gar fein. Und bunt gefärbte Herbstallee gibt’s in Hamburg auch, z.B. vom 21. - 23.09., das Reeperbahnfestival. Den passenden Soundtrack dazu serviert das Loveboat am Samstag.

Reeperbahnfestival

So’n Scheiß aber auch

Nun klopften heute schon zwei meiner drei treuen Leser an mein Tor und fragten besorgt ob ich dem Glückspiel anheim gefallen bin oder gar an einer fiesen Schreibblockade leide. Nein, nein, keine Sorge, alles fein. Es gab nur nichts blogkompatibles zu schreiben und mir fehlt gerade extrem die Lust mich an der aktuellen Sauhatz durch Klein Bloggersdorf zu beteiligen.

Ich krieg nämlich Plack von, wenn ich seh, das einer der aktuellen Sauhatzwortführer pseudorebellisch einen zum Thema Abmahnwahn auf den Markt wirft und selbst mit kostenpflichtigen Unterlassungserklärungen droht, wenn er sich ans Bein gepinkelt fühlt. So’n Scheiß aber auch. So sehr mir das für den anderen Rainer (also den abgemahnten Rainer, nicht der pseudorebellische Marktschreier Rainer) leid tut, aber nee, da geht mir die Galle quer. Aber ich hab’ mir mal den 27. Oktober, 10 Uhr, notiert. Da ist beim Amtsgericht Hamburg Termin in Sachen Gelegenheitsdarsteller mit Anwaltskanzlei gegen Rainer sacht. Das wird mit Sicherheit spannender als jede RTL Gerichtsshow und sicherlich informativer als die blöden Scheißsprüche, die einem als Werbung um die Ohren geprügelt werden.

Apropos Amtsgericht: “Meine Freundin Katja und ich telefonieren nicht mehr mit der Telekom“, das mußte ja mal gesagt sein und das darf man auch, ohne das irgendein R***** A******** daherkommt und einem die Mailbox mit Abmahnwahn infiziert. Mal abgesehen davon, das meine Freundin nicht Katja heißt, sollte ich mir das aber nochmal überlegen. Heute schlüpfte nämlich folgende Mail durch meinen Spam Filter:

Wünsch dir was Tarif

Ziemlich cooler Scheiß das, oder? Bei der Auswahl an Rechnungsbeträgen und dann noch 10 Taler sparen, wenn man sich dann doch für den Wünsch-dir-was Tarif entscheidet. Ich wünsch mir schon mal das Spammer an ihrem eigenen Scheiß ersticken. (Und nein, liebe Telekom, ich weiß, die Mail kommt nicht von euch. Meine Freundin Katja und ich telefonieren trotzdem lieber mit einem anderen Telefonanbieter).

Apropos Scheiß: “Meine Freundin Katja und ich kaufen auch keine Scheiß Gitarren beim Media Markt“. Wenn, dann kaufen wir Scheiß Gitarren bei Musik Produktiv:

Scheiß Gitarre

Go Johnny go…

Johnny Ramone, schnellster Gitarrist der Welt!“, so stand es vor Jahren im Stern, letzte Seite. Ein kleines schwarz/weiß Bild, die weiße Mosrite Ventures II mit dem schwarzen Pickguard auf Kniehöhe, die rausgewachsene Pilzkopffrisur verdeckte den konzentrierten Blick. Mehr als 2000 Auftritte mit den Ramones, davon 2 mit Elvis (der danach seinen bürgerlichen Namen Clem Burke annahm um wieder bei Blondie zu trommeln).

Lisa Maria Presley war angeblich an Johnny’s Sterbebett, zusammen mit Eddie Vedder, Pete Yorn und Rob Zombie. Hab’ ich jedenfalls irgendwo mal gelesen, vor 2 Jahren, am 15.September…
Go go go...

Bad boy rock, bad boy roll
Gabba gabba, see them go
C. Jay, now, hit the gas
Hear Marky kick some ass
Go, Johnny, go, go, go
Go Tommy, o-way-o

R.A.M.O.N.E.S - Motörhead

Moderne kleine Zeiten

Unlängst fällte His Bobness in seiner unendlichen Güte sein Urteil über die moderne Musik der letzten 20 Jahre. Wertlos sei sie und selbst die eigene neue CD fällt vor dem gestrengen Ohr des Meisters durch. Im Studio habe alles viel besser geklungen.

Even these songs probably sounded ten times better in the studio when we recorded ‘em. CDs are small. There’s no stature to it.

(via Reuters 22.08.06).

Deutliche Worte des Altmeisters. Auch der versteckte Warnhinweis im Titel des neuen Albums spricht eine deutliche Sprache: “Modern Times“. Deutlicher hätte es wohl nur die RIAA ausdrücken können: “As you get older, it may be harder to be hip, but it’s much easier to be educated.“.
Modern Times
Vielleicht hätte es ja, anstelle des plakativen Titels, auch ein kleiner Sticker, im Stil des RIAA Stickers getan, aber die Botschaft ist auch so deutlich.

Apropos klein und modern: Kleine, bewegte Bilder bietet Google Video anläßlich der Veröffentlichung von “Modern Times“. Ganz großes Kino ist Bob Dylans gemeinsamer Auftritt mit Johnny Cash, in der ersten Johnny Cash Show. “Girl from a northern country“. Nie war es so wertvoll wie heute. Was aber auch kein Wunder ist, schließlich ist die Aufnahme jetzt schon 35 Jahre alt.

Konfuzius 2.0

Die Globalisierungs- und Moraldebatte ist nun auch im Aussensaiterforum angekommen. Nun muß ich gestehen, das es mich herzlich wenig interessiert ob Chick Corea irgendeiner geldgeilen Sekte angehört - selbst wenn ich das gutheißen würde, würde ich mir sein Esotherikgeklimper nicht für’s Versprechen antun, das mich im Paradies Robert Johnson in Begleitung von 72 nackten Jungfrauen empfangen würde. Allerdings würde ich mich zu einer halben Stunde Keith Jarrett breitschlagen lassen, wenn der, im Aussensaiterforum unter dem Neil Young Poster sitzende, Robert aka groby endlich bloggen würde. So zielgenau auf den Punkt, wie hier im Olyven:

Es ist ja okay, Wünsche zu haben. Und jeder muss mit seinem Gewissen vereinbaren, um welchen Preis sie umgesetzt werden.

Aber ich wehre mich dagegen, Wünsche als Zwänge umzudeuten um sich dadurch ein RECHT auf bedenkenlose, billige Erfüllung abzuleiten. Wir leben halt in sozialen und globalen Umständen in denen wir nicht nur hilflos Handelnde sind, sondern die wir durch unser Handeln selber erschaffen und beeinflussen.

Heißt ja nicht dass man nichts mehr darf. Man darf ja fast alles. Nur die Verantwortung darüber ablehnen, das darf man nicht.

Zum Thema “Geiz ist geil” abschließend noch folgende kleine Geschichte:

Neulich auf der Musikmesse, an einem chinesischen Stand mit Nylonsaitengitarren für 8 Dollar Einkaufspreis. Chinesischer Aussteller mit Taschenrechner und angedeuteten konfuzianischen Konfuzius 2.0Lächeln und ein neugieriger Einkäufer, auch mit Taschenrechner, aber eher konfusen Blick.

Is this a guitar?
We do not call it exactly a guitar. It’s a GSO.”
What’s a GSO?
It’s a guitar shaped object!

Flaschenpost # 3

Die Flaschenpost # 2 endete mit der Suche nach dem richtigen Ton, bzw. der richtigen Tonhöhe. So ein Bottleneck ist ja zuerst mal ein Fremdkörper an der Hand. Es ist jedoch reine Konzentrationssache, sich daran zu gewöhnen, das die richtige Tonhöhe erreicht ist, wenn der Bottleneck über dem gewünschten Bund ist, im Gegensatz zum normalen Greifen des gewünschten Note, wo der Finger vor dem Bund aufgesetzt wird. Hat man das erstmal verinnerlicht - und das geht schneller als man denkt - kommt prompt das nächste Problem auf einen zu. So ein Bottleneck ist nicht nur ein Fremdkörper am Finger, nein, er ist auch hochgradig unflexibel. Akkorde greifen ist schon mal nicht mehr. Jedenfalls nicht so einfach. Es sei denn, man heißt Sonny Landreth und beherrscht die Behind the Bar Grifftechnik, aber a) ist das ein anderes Thema und b) würdest du, wärst du Sonny Landreth, die Flaschenpost gar nicht lesen.

Schatz, ich bin gerade nicht in Stimmung…

Doch auch hier gibt es die einfache Lösung. Open Tuning heißt das Zauberwort. Normalerweise ist die Gitarre so gestimmt (von hoch nach tief): e h g D A E. Für meine Begriffe viel zu viele unterschiedliche Noten. Okay, das E ist doppelt vorhanden und unterscheidet sich nur um eine Oktave, aber das geht noch einfacher. Mal angenommen ich möchte einen E Dur Akkord greifen. Drei Finger braucht’s, also keine nicht zu bewältigende Aufgabe. Auf der A Seite greife ich im 2. Bund, auf der D Saite ebenfalls im 2. Bund und auf der g Saite im 1. Bund. Soweit so fein, E Dur ist fertig.

Inklusive der gegriffenen Saiten haben wir jetzt: e h g# E H E. Das sieht doch schon viel überschaubarer aus. 3 x das E, 2 x das H und mit dem einen g# kommen wir auch schon zurecht. Da man aber nicht immer den Kopf offen hat, um sich sowas zu merken, kommt jetzt das Open Tuning ins Spiel.

Offen gesagt…

Der Trick ist so simpel wie genial. Ich stimme drei Saiten so, das beim Anschlagen der sechs Leersaiten ein Akkord klingt. Die drei Saiten, die ich umstimme, sind die die ich sonst mit den Fingern greifen würde. Die A Saite wird um einen Ganzton auf H hochgestimmt, die D Saite auf E hoch und die g Saite einen Halbton hoch auf g#. Fertig. Alle Leersaiten zusammen klingen jetzt wie der gegriffene E Dur Akkord. Fertig ist das Open E Tuning: e h g# E H E. Plötzlich brauchen wir nur noch einen Finger, um weitere Akkorde hervorzuzaubern. z.B. im 5. Bund, ein Finger über alle Saiten und ich hab’ ein A Dur Akkord. Weiter im 7. Bund und ich habe einen H Dur Akkord. Drei Akkorde? Cool, jetzt werf’ ich den blöden Flaschenhals weg und gründe eine Punkband. Und wenn ich dann mit der Punkband durch bin, stell ich fest: “Hey, was mit einem Finger quer über die Saiten geht, muß doch auch mit diesem Bottleneckdingens gehen?“. Geht auch, aaaaaaaaber….

Schatz, nicht so doll. Es spannt…

Open E Tuning ist ein feines, sehr übersichtliches Tuning. Man kann sich da wunderbar schnell reindenken, da man die Lage der Akkorde durchs Barre spielen kennt. 1. Bund Barrée, gegriffen wie ein E Dur Akkord, da klingelt es sofort: F Dur, 3. Bund Barrée: G Dur, 5. Bund Barrée: A Dur und so wieter und so fort. Open E hat jedoch einen Nachteil. Jede einzelne Saite in normaler Stimmung entwickelt ungefähr eine Zugkraft von 10 kg (so meine ich mich zumindest zu erinnern). Stimme ich jetzt zwei Saiten um einen Ganzton und eine Saite um einen Halbton höher, erhöht sich auch die Zugkraft, die auf den Hals der Gitarre einwirkt. Das kann gutgehen, kann aber auch zu geschwollenen verbogenem Hals führen und wer will das schon?

Schwester, die Tupfer Talentbremse, bitte…

Ein verwandtes Open Tuning zum Open E ist das Open D Tuning. Der einzige Unterschied: die einzelnen Saiten werden exakt einen Ganzton tiefer gestimmt.
Statt e h g# E H E haben wir dann d a f# D A D im Angebot. Open D bietet alle Vorteile von Open E plus einem entspannteren Hals und saftige Bässe von freilaufenden tiefen Tönen. Open D ist, ausgehend von der Standardstimmung, nicht wesentlich schwerer umzustimmen als zu Open E. Immerhin noch zwei Saiten bleiben in der Standardstimmung. Die A und die D Saite. Zum schnellen umstimmen, ohne Elektrotuner, empfiehlt es sich die D und die tiefe E Saite gleichzeitig anzuschlagen. Dann die E Saite solange runter stimmen, bis die beiden Saiten gleich klingen (natürlich ist das D auf der E Saite dann eine Oktave tiefer als das D auf der D Saite). Die Prozedur wiederholen wir auf der D und der hohen e Saite. Die hohe e Saite runterstimmen, bis sie zur D Saite eine Oktave höher klingt. Mit der A Saite das selbe Spiel zusammen mit der h Saite runter auf… richtig: a. Und das f#? Dafür wird die g Saite einen halben Ton tiefer gestimmt. Noch Fragen? Fertig.

Um das Malen nach Zahlen Anfangs zu vereinfachen, empfehle ich eine Talentbremse, auch bekannt als Capotaster. Sowas empfehle ich sowieso, aber dazu später mehr in einer weiteren Flaschenpost. Jetzt ist der Capotaster erstmal eine Abzählhilfe bei der ersten Jam Session mit Kollegen. Am zweiten Bund angeklemmt, verschiebt die Talentbremse das Open Tuning von D nach E. Hossa, bekanntes Terrain, jetzt kann man dem Bassisten auch wieder heimlich auf die Finger luschern und wenn der verdächtig oft die Finger am 5. Bund der E Saite hat, dann wissen wir, es ist Zeit den Bottleneck auf den 5. Bund (jetzt gezählt ab dem Capo) zu verschieben. Prinzip verstanden? Fein. Und hier das ganze nochmal in bunt:

Flaschenpost # 3

In der Flaschenpost # 2 hatte ich ja schon einen kleinen Slidepodcast zum Thema angekündigt. Die Aufnahme ist allerdings ziemlich verrauscht und auch inhaltlich noch nicht ganz so, wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe. Trotzdem gibt’s das jetzt zu hören. Demnächst tausch ich das Audiofile dann nochmal aus.

Download, abonnieren und anderes Audiozeugs von mir, wie immer hier: http://slidetone.podspot.de

Kokossofabootauftritt

Anläßlich des Geburtstags von William Bligh, dem gemeuterten Kaptain des Schokokokosriegelfrachter MS Bounty und dem Wiegentag des Mannes, der Rock’n'Roll in die deutschen Wohnzimmer brachte, Harald Walter Bernhard Schubring, spielt Cpt.Stubing & the Loveboats heute einen privaten Geburtstagwohnzimmer Gig.

Da heute, auf den Tag genau, vor 120 Jahre in Bern (wer hat’s erfunden?) der völkerrechtliche Vertrag zur Übereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst unterschrieben wurde, verzichtet das Loveboat auf ihre gefürchteten Coverversionen von Robbie Williams und Warren Zevon. Statt dessen wird der Captain die Show mit den Worten “Hello, my name is Fletcher Be-Bop-A-Lula Christian” eröffnen.

Da die kleine Geburtstagswohnzimmershow nicht öffentlich stattfindet, werden sämtliche nicht fälligen GEMA Abgaben den Asthma Opfern der Insel Pitcairn gestiftet.

Nachgetragen: Entgegen meiner Prognose outete sich der Captain als Ray Charles der Folkgitarre.

Katastrophe 7.0

Nein, nein, so schlimm, wie die Überschrift es vermuten läßt, ist der Relaunch des Spiegel Online gar nicht. Passend zur angekündigten Satire Rubrik macht Blumencron schon mal vor, was der ehemalige Titanic-Chefredakteur Sonneborn ab Herbst dann für SpOn erledigt: er liefert eine beissend, ironische Überschrift vom Allerfeinsten: Spiegel Online 7.0. Das Ding hat den Mut zum Klassiker, auch wenn zu befürchten ist, das die Anspielung auf das Netzunwort Web2.0 ausser bei den üblichen Nerdverdächtigen nicht wirklich verstanden wird. Angeboten hätte sich vielleicht noch eine Anspielung auf den Long Tail, aber so richtig rückwärts eingesprungen, hinter’m Rücken durch’s linke Ohr ins Nadelloch. SpOn7.0 - Web2.0 versus Long Tail - Schwanzvergleich. Gefühlte 450 Klicks später hat man den Gedanken wohl wieder verworfen. Macht nichts, die Satire Rubrik soll ja erst im Herbst kommen.

Nein, mal im Ernst, der Relaunch ist keine Bruchlandung 7.0. Der neue Look wirkt aufgeräumter, die etwas altbackene Lösung mit den putzigen JavaScript Aufklappern in der Topnavigation verdeckt immerhin nicht mehr die Artikel. Der alte tetrisartige Klotz, der einem ansonsten die Navigation mittenmang auf die Nase pappte, hat mehr genervt. Das ist schon ok so, mir wäre auch nichts wirklich eleganteres eingefallen. Heimlich gewünscht, jetzt endlich da: ein SpOn Podcast. Vorerst wohl nur ein Reisepodcast, aber ich hab früher schon gern “Von Hamburg nach Tahiti” im Radio gehört. Ansonsten wird es wohl mehr Video geben. Fein, auch wenn ich mir mehr Podcast gewünscht hätte. Aber man kann nicht alles haben. Vielleicht wird’s ja noch? Wobei mir gerade einfällt, als damals “Von Hamburg nach Tahiti” im Radio lief, wollte ich Straßenbahnschaffner oder Radiosprecher werden. Wäre Podcastsprecher nicht auch ein feiner Berufswunsch? Wo es doch schon so lange keine Straßenbahnen in Hamburg mehr gibt…

Immerhin verschont uns die neue Seite mit Blogdingsversuchen. Die Zielgruppe der Klein-Bloggersdorf Anwohner wird trotzdem umworben. Tagwolke. Fein. Nur warum öffnen sich die Links im Archiv in neuen Brauser Fenstern? Das ist nicht mal Web 1.0, geschweige den 7.0. Das ist Userbevormundung im Quadrat. Zur Lektüre empfohlen: Ich habe keine Ziele mehr, vom geschätzten Webrocker. Und warum muß die arme Dokuabteilung zu Fuß die Verschlagwortung betreiben? Und das auch noch “zeitnah”? Das geht ratzfatz. Ganz oder gar nicht. Egal, es gibt sie jetzt, die Tags, und das find ich gut, weil ich meine eigene Tagwolke gut finde und vorher, also bevor ich selbst einen Schatten Blogwetterbericht hatte, fand ich das doof. Genauso wie ich es gut finde, das es in Zukunft mehr Video Nachrichten geben wird und trotzdem alles ein wenig schlichter, aufgeräumter und weniger bunt daherkommt, all das ist fein. Gratulation, kein Meilenstein in der Netzgeschichte, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Nachträglich kann man auch zur mobilen SpOn Ausgabe gratulieren. Funktioniert bestens via WAP. Kein Vergleich zu dem suboptimalen WAP Bild das das Magazin mit dem Stern drauf abgibt und schon gar nicht zu der völligen Katastrophe 8.0, die einem begegnet wenn man das Magazin mit den Fakten, Fakten, Fakten und MSN Kooperation via WAP ansurft.

Und die kommende Satire Rubrik erwarte ich mit Spannung. Das ist jedenfalls schon mal eine klasse Steilvorlage:

Demnächst werden wir ein Redaktionsbüro in München eröffnen, um diese wichtige Region besser betreuen zu können. Bei Katastrophen, Kriegen und Konflikten wollen wir Sie noch akkurater und mit mehr Einsatz von vor Ort informieren…

Spiegel Online - Spiegel 7.0 M.M.v.Blumencron

Ich hab’ mal eben meinen Globus bemüht und tatsächlich: München ist näher dran am Kongo. Frau Merkel Sonneborn, übernehmen sie…

Blockflöte im Krieg

Wenn´s um peinliche Personen geht, sollte man nicht pingelig sein. Sondern gründlich. Peinlich im üblichen Sinne – also ‘unangenehm, quälend, grausam, folternd und beschämend‘ – stammt aus dem Lateinischen ‘poena‘ = die Buße, die Strafe, das Sühnegeld. Im Mittellateinischen avancierte ‘poena‘ gar zur ‘Höllenqual‘, und im christlichen Mittelalter war ‘peinlich‘ schon einfach ein Fachbegriff aus der – zugegebenermaßen – etwas kruden Strafprozeßordnung. Meine Damen und Herren, Heinz Rudolf Kunze … äh, nein, fangen wir anders an!…” *

Ja, meine Damen und Herren, lassen wir uns mal anders anfangen. Auf mich hört ja niemand. Anders ist es nicht zu erklären, das das Polittbüro gestern Abend eher suboptimal gefüllt war. Gut, nicht Bob Dylan war im Haus (war er dann aber doch… irgendwie), aber Danny Dziuk und Wolfgang Nitschke. Dziuk mit Gitarre und Klavier und Nitschke mit einem Stapel Bücher unter’m Arm. Literaturkritik und Liedgut, eine gut ausgependelte Kombination. Abwechselnd gab es den Dalai Lama wärend der Vorbereitung zur Wiedergeburt als Kartoffelkäfer und gutes Lied über sensi(rrrrr)ble Lover von Ex Freundinnen. Auf die Frage: “Wie schaffe ich es bloß Jürgen Fliege richtig zu beleidigen?“, hat Nitschke die passende Anwort: “Zitieren tut’s ja auch.” Und auch Danny zitiert, neben eigenen Liedgut, John Prine, Tom Waits, Rio Reiser und… Bob Dylan. Zu “Masters of War” bläst Nitschke dem Dziuk auch noch einen… auf der Blockflöte. Ein gelungener Abend, eigentlich nur noch steigerbar, hätten die beiden gemeinsam auch noch “Like a Candle in the Wind” gemeistert. Aber auch so war’s schön.
Danny Dziuk und Wolfgang Nitschke live im Polittbüro

* Zitat: Wolfgang Nitschke aus Bestsellerfressen - Der Hannibal Lector der Buchkritik

S*nnenschein

Da kommt man mal ins Radio und dann sowas. Am Sonntag wurde extra eine kleine Aufnahmesession in der Captains Recording Lounge eingelegt, weil es hieß, das Radio braucht bis Dienstag ein bischen was Ton vom Loveboat, anläßlich des Reeperbahn Festivals. Nun gibt’s zwar ein unüberschaubares Archiv voller Probeaufnahmen, aber Radio… Radio ist ja nicht MySpace und überhaupt. Ein Song mit einer frohen Message mußte her. In akzeptabler Qualität, also für’s Radio.

Zur Auswahl standen zwei Songs. Dem einen, “Bad Hair Day“, mangelte es zwar etwas an der positiven Botschaft, doch in meinem jugendlichen Wahnsinn (und ungetrübtem Technikglauben) dachte ich mir, das wir das schon mittels Multiband Compressor glattbügeln können. Der zweite Song, ein relativ neues Loveboats Lied, besingt die Sonne und trifft so zumindest (fast) den Zeitgeist. Ursprünglich angelegt als Phil Spector meets Woody Guthrie Multitrackbombast, perlte das kleine Lied, nach gründlichen Kehrauswochen im Spurenplan, dann doch recht sonnig aus den Boxen. Fein, schönes Radiolied.

Gestern Nacht dann, nach mehreren gescheiterten Versuchen ca. 100 MB Wav Files hochzuladen, hab’ ich die Songs in ein schmuckes mp3 Format geschrumpft und dem Mann vom Radio per Mail zugeschickt. Und nun kann man Cpt.Stubing & the Loveboats am 12.September auf Tiede Radio 96KHz hören… allerdings nur mit Songs die wir schon bei MySpace veröffentlicht haben. Die Sendung wurde nämlich schon gestern aufgezeichnet. “Bis Dienstag…” hieß es, aber beim Radio scheinen die Uhren doch etwas schneller zu ticken… Nun gut, dafür muß man jetzt nicht bis zum 12. warten um “Sun” zu hören. Loveboat goes S*nnenschein…

Wlogeldackel

Im Spreeblick fragt Max nach dem guten, alten Wackeldackel.Wir erinnern uns, erst wurde der Wackeldackel von der Mineralölindustrie wiederbelebt, dann mutierte er zu Wackelbohlen und Wackelelvis und dann… verschwand er wieder von den Hutablagen. Nun ist er wieder auferstanden, als Kameradackelmann des aktuellen Nichtganzstaatsoberhaupt Merkel Vlogs.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die deutschen Unternehmen aufgerufen, mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren…

www.bundeskanzlerin.de

Eins dieser Unternehmen heißt Evisco und im Vorstand sitzt der Schwiegersohn des Nichtganzkanzler Stoiber. Evisco gewann die Ausschreibung um die Produktion des Kanzlerinnen Vlogs. “Wir haben den Auftrag durch Leistung und einen guten Preis gewonnen“, so wird der Schwiegersohn in der Augsburger Puppenkiste Allgemeinen zitiert. Dank Evisco soll der Kanzlerin Vlog endlich peppiger werden, glänzte er doch bisher eher durch den Charm einer verwechselten Neujahrsansprache. Auch die gelungenen satirischen Elemente, beim spontanen Lyssa Besuch, wollten nicht so richtig zünden. Dabei war die Geschichte mit dem Globus gut. Hätte die Öffentlichkeit das mitbekommen, ein Platz neben Lübke wäre ihr sicher gewesen. So reicht es nur zu einem kleinen Running Gag im Die Welt ist ein Becher Vlog des Loveboats. Da die Generalprobe aber, mehr oder weniger unter Ausschluß der Öffentlichkeit, auf einem kleinen abgelegenen Dorfplätzchen stattfand, mußten jetzt Profis ran.

Großes Kino für kleines Geld. Bisher haben die abendfüllenden 2 Minuten Merkel Clips 6.500 Euro Produktionskosten verschlungen. Was wohl die rasanten, Dogma und Reality Soap inspirierten, Wackelkamerafahrten und der peppige Schnitt, keck angelehnt an der Kanzerinfrisur, bei Evisco kosten? Leider hat man in letzter Konsequenz am falschen Ende gespart. Das PDF zum Vlog mag nämlich gar nicht in das, ansonsten künstlerisch hochwertige, Gesamtpaket passen. Lieblos, ja, sogar leserlich ist das downloadbare PDF Dokument mit dem prosaischen Linktitel: Der Podcast als Text. Mein Vorschlag, der sicher auch im Produktionsetat noch drin gewesen wäre, ist ein passendes Textdokument zum Film. Mein Vorschlag sähe z.B. so aus:

Vlogelmerkel

Sollte das in den Produktionskosten nicht mehr drin sein, kann man sich auch das Original PDF runterladen und den Monitor beim lesen schütteln…

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