Blockflöte im Krieg

Wenn´s um peinliche Personen geht, sollte man nicht pingelig sein. Sondern gründlich. Peinlich im üblichen Sinne – also ‘unangenehm, quälend, grausam, folternd und beschämend‘ – stammt aus dem Lateinischen ‘poena‘ = die Buße, die Strafe, das Sühnegeld. Im Mittellateinischen avancierte ‘poena‘ gar zur ‘Höllenqual‘, und im christlichen Mittelalter war ‘peinlich‘ schon einfach ein Fachbegriff aus der – zugegebenermaßen – etwas kruden Strafprozeßordnung. Meine Damen und Herren, Heinz Rudolf Kunze … äh, nein, fangen wir anders an!…” *

Ja, meine Damen und Herren, lassen wir uns mal anders anfangen. Auf mich hört ja niemand. Anders ist es nicht zu erklären, das das Polittbüro gestern Abend eher suboptimal gefüllt war. Gut, nicht Bob Dylan war im Haus (war er dann aber doch… irgendwie), aber Danny Dziuk und Wolfgang Nitschke. Dziuk mit Gitarre und Klavier und Nitschke mit einem Stapel Bücher unter’m Arm. Literaturkritik und Liedgut, eine gut ausgependelte Kombination. Abwechselnd gab es den Dalai Lama wärend der Vorbereitung zur Wiedergeburt als Kartoffelkäfer und gutes Lied über sensi(rrrrr)ble Lover von Ex Freundinnen. Auf die Frage: “Wie schaffe ich es bloß Jürgen Fliege richtig zu beleidigen?“, hat Nitschke die passende Anwort: “Zitieren tut’s ja auch.” Und auch Danny zitiert, neben eigenen Liedgut, John Prine, Tom Waits, Rio Reiser und… Bob Dylan. Zu “Masters of War” bläst Nitschke dem Dziuk auch noch einen… auf der Blockflöte. Ein gelungener Abend, eigentlich nur noch steigerbar, hätten die beiden gemeinsam auch noch “Like a Candle in the Wind” gemeistert. Aber auch so war’s schön.
Danny Dziuk und Wolfgang Nitschke live im Polittbüro

* Zitat: Wolfgang Nitschke aus Bestsellerfressen - Der Hannibal Lector der Buchkritik

Kommentare

5 Kommentare zu “Blockflöte im Krieg”

  1. Haarbüschel am 6. September 2006 1:30 pm

    Ja, der Herr Nithscke möchte sich keine Freunde machen. Hab die beiden mal in Berlin in einer Buchhandlung gesehen, zu deren Leseveranstaltungen zumeiste ältere Frauen in teuren Mänteln gehen. Spätestens nachdem er aus dem Dalai Lama Hackfleisch gemacht hat, konnte man das pure Entsetzen in ihren Augen sehen. Schön, dass es Dir gefallen hat.

  2. Boogie am 6. September 2006 1:49 pm

    Den Nitschke, wirklich groß, kannte ich vorher noch gar nicht. Auch wenn das Polittbüro Publikum abgehärtet ist, beim Dalai Lama Buch konnte man auch hier den einen oder anderen Atem stocken hören. Und das Blockflötensolo zu Masters of War war ganz großes Kleinkunstkino.

    Danny outete sich übrigens nach dem Auftritt als Kenner der Loveboats Songs auf MySpace und bot an, wenn wir denn mal was veröffentlichen, die eine oder andere Orgelei beizutragen. Das war mein persönliches Hochlicht des, ansonsten auch sehr gelungenen, Abends. Einziger echter Wehmutstropfen: der Captain konnte nicht mitkommen, weil ihm ein Anker auf den Fuß gefallen ist. Nachdem ich ihm von Dannys Angebot berichtet habe, ist natürlich nicht nur der Fuß geschwollen. Der nächste Gig beginnt sicher mit den Worten: “Hello, my Name is Captain Dylan”…

  3. Der Kapitän am 6. September 2006 2:54 pm

    Ja, das war schade. Immerhin sah ich Danny letztes Jahr mit seiner Band am gleichen Ort und war ja auch sehr begeistert. Die Kerze im Wind hätte ich natürlich dennoch gerne gehört.

  4. Boogie am 6. September 2006 3:02 pm

    Vielleicht sollten wir Candle in the Wind ins Programm aufnehmen? Ich bring Samstag eine Blogflöte mit…

  5. slidetone.blog» Blog Archive » Keep me in your heart am 27. Oktober 2006 4:55 pm

    […] Die Rock’n’Roll Hall of Fame wurde übrigens erst 1986 eröffnet. Da war der Rock’n’Roll schon gefühlte 30 Jahre tot (also mindestens 10 Jahre). Das Museum der Ruhmeshalle aka the Piss Stain (so die Sex Pistols anläßlich ihrer späten Ehrung 2005) wurde 1995 eröffnet. Wer Spinal Tap gesehen hat, weiß das nur Cleveland als Standort der Ruhmeshalle in Frage kommen konnte. So ist es dann auch. Und nun ist es an der Zeit, das Warren Zevon in die Rock’n’Roll Hall of Fame Einzug erhält. Wer nicht unterschreibt wird übrigens vom Werewolve of London heimgesucht und landet in der ewigen Verdammnis derJames Blunt Lieder Hölle. Oder schlimmer… […]

Na, dann mal los!





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