Flaschenpost # 4
Heute, aus gegebenen Anlaß: Flaschenpost unplugged und trotzdem elektrisch. Wobei es nicht explizit nur um Bottleneck geht, aber eben auch. Thema ist nämlich: “Wie bekomme ich meine akustische Gitarre verstärkt?“. Der gegebene Anlaß sind die zwei letzten Gigs mit Cpt.Stubing & the Loveboats. Den Gig auf dem Reeperbahnfestival hab’ ich mit einem Piezopickup gespielt, den letzten Gig, im Club am Donnerstag, mit einem elektromagnetischen Pickup. Beide Gigs mit der selben Gitarre, eine pillich Southern Jumbo Kopie…
• Pling pling buzz…
Das wohl am weitesten verbreiteste Pickupsystem für akustische Stahlsaitengitarren ist der Piezo Pickup. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Piezos an sich sind billig und nahezu unsichtbar (weil ja unter der Bridge montiert). Da aus so einem Piezopickup allein kein wirklich verwertbares Signal kommt, bedarf es allerdings einer aktiven Elektronik, die als PreAmp und EQ als Radioweckereinbauwand meist in der Zarge der Gitarre platziert wird. Je nach Güte des Piezos und der Aktivelektronik kann das Klangergebnis zufriedenstellend bis nett sein. Was es allerdings, meiner bescheidenen persönlichen Meinung nach, nie ist: wirklich dynamisch. Das liegt daran, das ein Piezo auf Druckveränderung reagiert und nicht auf die Saitenschwingung ansich.
Das arme Piezoteilchen klemmt brutal eingequetscht unter der Bridge. Wo soll’s da die Dynamik hernehmen? Fragt der Laie und wundert sich. Für den Wohlklang kann ich den EQ bemühen und dafür, das überhaupt was verwertbares aus dem Pickup kommt, den PreAmp. Aber Dynamik? Unter dem Druck? No way.
• Gegensätze ziehen sich an …
Natürlich kann man einem Piezo auch auf die Sprünge helfen. Zum Beispiel in Kombination mit einem kleinen Micro im Klangkörper der Gitarre. Beide Signale zusammengemischt können schon ein wesentlich lebendigeres Klangergebnis bringen. Solche Kombi PickUps gibt’s inzwischen einige auf dem Markt. Allerdings kosten die auch deutlich mehr als ein einfaches Piezosystem und werfen oft neue Probleme auf. Für Soloakustiker, allein auf weiter Flur, ohne Drums & Bass (and shit, wie Eric Taylor es gestern beim Soundcheck im Club am Donnerstag nannte), mag ein solches Kombisystem aus Piezo und Micro durchaus Sinn machen. Kommt aber der übliche Akustikschmutz auf der Bühne dazu, dann stößt ein solches System auch schnell an seine Grenzen. Also muß eine andere Lösung her. Elektromagnet heißt das Zauberwort, jedenfalls für mich. So wie der klassische E-Gitarren Pickup: Spule, Magnet, Draht, fertig. Okay, nicht ganz. Die E-Gitarre wird ja normalerweise über einen Gitarrenamp verstärkt, wärend die Akustische uninplugged in eine D.I. Box und dann direkt in die P.A. geht. Ein passiver elektromagnetischer Pickup liefert da im Regelfall nicht genug Dampf. Und passive Pickups mit genug Dampf (also viel Draht auf der Spule) sind toll für Death Metal Geknatter, aber eben nicht für “akustische” Sounds. Also macht auch hier eine aktive Elektronik an Bord Sinn. Leider gibt’s bei Westerngitarren ein Problem, das man bei E-Gitarren nicht hat. Die Umwicklung der Saiten, bis auf die h’ und die e’ Saite, besteht aus einem bronzehaltigen Draht. Bronze ist nicht wirklich magnetisch. Was vom elektromagnetischen Pickup abgenommen wird ist nur der Kern der Saiten. Einfach einen Standard E-Gitarren Pickup ins Schallloch zu dengeln ist nicht die Lösung. Kann aber trotzdem interessant klingen. Ich hab’ z.B. in einer Akustischen sowohl einen P-90, als auch einen Danelectro Lipstick, eingebaut gehabt.

Aber auch viele, speziel für die Akustische angebotene, elektromagnetische Pickups klingen nicht besonders ausgewogen. Die hohen Saiten zu laut, die umwickelten Saiten zu leise. Dabei gibt es scheinbar Methoden diese Unausgeglichenheit zu beheben. Der Sunrise Pickup, der leider einen halben Arm und ein linkes Bein kostet, kann das schon seit Jahren. Die alte schwarze Seymour Duncan Acoustic Röhre (SA-1 hieß der, glaub ich), konnte das auch (allerdings, da Single Coil, relativ wenig Output und mit passiver D.I. Box eher unbrauchbar). Beim letzten Gig hab ich mal den Shadow 145 Prestige ausprobiert, den der Captain schon in seiner kleinen Woody hat. Der Pickup ist ungefähr so häßlich wie es der Name vermuten läßt (und sieht damit schon wieder gut aus) und läßt sich, trotz Aktivelektronik, ohne Fräsarbeiten einbauen. Um das Testergebnis in vier Buchstaben zu fassen, bietet sich das Wort “toll” an. Wenn’s denn fünf Buchstaben sein dürfen, dann geht auch ein “super” durch.
Wärend ich beim “Piezo Gig” auf der Reeperbahn nicht nur unter den trantütigen Tonkutschern litt (man muß die Gitarre nach dem Instrumentenwechsel ja nicht zwingend in der P.A. hören, wenn man was spannendes zu lesen dabei hat), sondern auch mit dem etwas sehr zirpigen Piezosound kämpfte (trotz gutem PreAmp an Bord), war der “Elektromagnet Gig” im Club am Donnerstag die Entspannung pur. Der Shadow Pickup klingt ausreichend ausgewogen (und ließe sich, mittels der einzelnen Polepieces Schrauben noch justieren), sehr dynamisch und der Charakter der Gitarre bleibt erhalten. Den Sunrise, den ich vor Urzeiten mal getestet habe, hab’ ich nicht besser in Erinnerung. Im Gegenteil, mir erschien der Sunrise damals ein Tick zu mittig/nasig und der Shadow zeichnet ziemlich feine Höhen ohne zu nerven. Offen, luftig, fein. Nur zum Schrammeln hat ein Piezo, mit weniger Dynamik, die Nase vorn. Aber wahrscheinlich ist die Lösung auch hier einfach: beim nächstenmal für die Schrammelnummern einfach ein dünneres Plektrum nehmen.
Die Stärken vom Shadow Pickup kommen beim Picken deutlich hervor. Der Ton ist, auch leise gespielt, voll und rund und explodiert förmlich, wenn man es mal härter angeht. Alle Nuancen vom Bottlenecksound kommen voll zum tragen. Beim Piezo klang es, sobald es etwas härter zur Sache ging, scharf und trotzdem dünn.
Soweit, so gut. Vielleicht schnippsel ich später noch ein zwei Klangbeispiele der letzten beiden Gigs zusammen. Wer sich für den Shadow Pickup interessiert, kann sich auf deren Website mal umschauen: www.shadow-electronics.com
Nachtrag: Wer sich mal live anhören möchte, wie hervorragend sich elektromagnetische Pickups für Bottleneck eignen, dem sei z.B. David Lindley, John Butler oder Ben Harper ans Herz gelegt. Wer sich generell zum Thema Tonabnahme von Stahlsaitengitarren informieren möchte, dem seinen diese beiden umfangreichen Links empfohlen: Doug Young Guitar Pickuptest (mit Audio Files) und der Fingerpick Magazin Beitrag zu Pickups (nicht nur Pickups, sondern auch informatives zum Thema Microphonie).
Kommentare
6 Kommentare zu “Flaschenpost # 4”
Na, dann mal los!
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So oder so ähnlich schrieb ich bereits:
- Kleines Besteck revisited
- Notizblog No.47: eiSpace
- Notizblog No.42 - Klein, aber fein
- Notizblog No.38 - Habenwill revisited
- Abgedrehter Stimmungsmacher
- Notizblog No.5
- Strandkreutzereisenhaufen
- Kabelsalat
- Flaschenpost aus dem Bierland
- Ja...
- One Two Wordpress Soundcheck
- Abgestimmt vom Arbeitsmarkt*
- Lieber guter Weihnachtsmann...
- Flaschenpost #9 - Einarmiges Zwergengitarren gleiten
- Flaschenpost aus Australien
- Notizblog No.40 - Steampunk Laptop
- Sieht aus wie eine Zigarrenkiste mit Saiten...
- Sieht aus wie eine Monsterpedalsteel...
- Partieller Kopfstand
- Heute in der Flaschenpost
- Flaschenpost #8 - JetSlide
- Bob Wills is still the King
- Einsaitig und seekrank
- Flaschenpost im Pool
- Flaschenpost aus Norwegen
- Flaschenpost # 7
- Teuflischer Plan-n-n-n-n
- Flaschenpost # 3
- Flaschenpost # 2
- Talentbremse des Jahres
- Spieglein, Spieglein ...
dings @ identi.ca
Na hörn se mal. Der Shadow sieht wohl gut aus. Insbesondere mit dem Korg-Rückspiegel-Stimmgerät. Das hat einen derartig unangebrachten Techno-Look, das es schlicht stilsicher ist. Finde ich. Nämlich.
Na, hömma, liesma: “…und sieht damit schon wieder gut aus…“. *g*
Mit meiner Godin Gitarre bin ich ziemlich zufrieden. Sie hat 2 Pickups - ein Piezo und ein Mikrophon im Klankörper. Klingt gut.
Die Godins sind auch klasse. Für’s schrammeln und picken sind Piezos in Kombination auch ‘ne tolle Sache. Auch Systeme wie das B-Bend sind fein. Oder elektromagnetischer Pickup mit Micro in Kombination. Für meine Bottleneckgeschichten hat sich bisher der Shadow Pickup allein als stressfreiste Lösung für die Bühne rausgestellt. Im Studio würde ich wahrscheinlich eine Kombination aus Pickup und zusätzlicher Microphonie wählen.
Hi Boogie,
klasse Fortsetzung Deiner bisherigen Flaschenpostings!!
Jetzt noch eine paar Tipps in Sachen Akustik-Amps und das Equipment steht.
Weiter so und großes Lob vom Belzebub
Moin Belze, in Sachen Akustik Amps bin ich komplett überfragt. Ich hab’ gerade mal leihweise mit einem kleinen AER Würfel und einem Trace Elliott Erfahrungen gesammelt. Die Traces werden, glaub ich, nicht mehr gebaut und der AER war einfach klasse, wenn man auf eine möglichst “naturnahe” Wiedergabe des Akustik Tons steht (natürlich alles im Rahmen der Möglichkeiten eines kleinen Combo Amps. Dafür war der AER aber wirklich Spitze).
Ich mag, wenn ich akustisch/verstärkt spiele, eigentlich einen leicht elektrischen Ton, nicht ganz clean. Allerbeste Erfahrungen hab ich mit einem Transen Klassiker gemacht, dem guten alten Roland Cube 60. Was für Joe Walsh zu Hotel California Zeiten gut war, reicht für mich allemal.
Equipmenttechnisch wird es aber sicher noch die eine oder andere Folge der Flaschenpost geben. z.B. Effekte (Tremolo, Hall, Delay), Klangregelung (EQ), aber auch Capotaster, Tuner und, last but not least Bottlenecks ansich, werden noch Thema sein.