Home F*cking
“Home Fucking Is Killing Prostitution” lautete die (einzig ernstzunehmende) Anwort auf die “Home Taping Is Killing Music” Kampagne der Musikindustrie. Eins mußte man der Kampagne aber lassen. Das Logo war einfach gelungen. Auch ein Vierteljahrhundert später. Charmant und punkig, die Compact Cassette mit den gekreuzten Knochen. Nur die Aussage war natürlich für den Allerwertesten.
Home Taping, das gute alte Mix-Tape, war die hohe Schule der Musikbegeisterung. Stundenlang vor dem Tapedeck Platten sortieren und passende Songs für die obskursten Themen-Tapes zusammenstellen. Das befriedigende Gefühl, wenn man eine Kassette für die Angebetete aufnahm, einen Bogen von Al Stewarts “On the Border” zu “Babylon’s Burning” von den Ruts gefunden zu haben. Keine Ahnung warum, aber nach Lou Reeds “Walk On The Wild Side” nahm ich immer “The Passenger” von Iggy Pop auf und danach mußte einfach “I Wanna Be Your Dog” kommen. “Arrrghhhh, was’n das denn?” Natürlich die Stooges…

Schön war die Zeit. Nun aber Tschüß C90 und hallo MP3. Fünfundzwanzig Jahre später oder womit sich Musikbegeisterte heute rumschlagen müßen:
Wie immer: Die böse, böse GEMA (Spreeblick) und
(Urheber-) Rechts-Praxis schadet deutscher Kultur (Musikdieb).
[Edit]:
Blogs und C90 Kassetten haben ja (mindestens) eins gemeinsam: sie sind wiederbespielbar. Egal, dazu vielleicht später mal mehr. Darum geht’s jetzt gar nicht. Zuerstmal etwas in eigener Sache. Den oben erwähnten Song “On The Border” mußte ich natürlich wegen ihr aufnehmen. Die Al Stewart Platte “Year Of The Cat” fand sich natürlich nicht in meinem regulären, für alle einsehbaren, Plattenregal. Für solche Scheiben gab es eine extra Kiste, imaginär mit dem Titel “Beischlafmusik, griffbereit halten” beschriftet und unter dem Bett verstaut. Dort fanden sich auch “Crime Of The Century” von Supertramp, Cat Stevens‘ “Tea For The Tillerman” und, ich gestehe, für ganz besonders hartgesottene Fälle, Barry Manilows “Mandy“. Das zum musikalischen Ausgleich The Ruts oder die Stiff Little Fingers auf’s Balz-Tape gehörten, versteht sich jetzt hoffentlich von selbst? Und wenn klar war, das die Angebetete so gar nicht mit Punk zu umgarnen war, dann gab es ja immernoch “Beth” von Kiss.
Apropos verstehen: Mein, durch Kontinentalplattenverschiebung verloren geglaubter, Bruder im Geiste, der Webrocker Tomster, beschreibt das alles viel schöner:
… Noch länger, weil akribischer, wurde es, wenn ich eine Kassette einer anderen Person aufnahm - hier musste einfach jeder Song sitzen, ein gelungener Titel für die Compilation gefunden werden, und das Gesamtpaket auch noch ansprechend gestaltet werden - immerhin sollte das als mein Botschafter dienen, das Amalgan all’ meines guten Geschmacks, meiner Cleverness und meines Bescheidwissens. Meine akustische H-Bombe, die jegliche Vorbehalte und eventuelle Widerstände auf der Road to Balz wegräumt…
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Kommentare
2 Kommentare zu “Home F*cking”
Na, dann mal los!
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So oder so ähnlich schrieb ich bereits:
- Jam & more revisited
- Toni Mahoni, Nierengurt und ein runder Abend an der Essbar
- Der Boss kommt an die Elbe...
- Alternative zu Katzenbildern
- Happy Birthday, Merle & Spreeblick
- Publish it. Write it. Sing it.
- EMI mit ohne DRM und Sony mit ohne Plastik
- Jemand zu Hause?
- Das Album ist tot, es lebe...
- Die Elvis Glaskugel
- Alles wird gut (?)
- Viraler Griff ins Klo
- Irgendwie Presse
- eiDiskette
- Culture Club
- Pussy Radio
- Indiziert
- Here goes the summer
- Top 42
- Notizblog No.11
- Geh ma' Lizenz machen
- Webzwopunk(t)null in Bild und Ton
- Hallo Nachbar
- Gehörnt nochmal revisited
- Grundsatz Renner
- Netlabelmania und der gute Schwede
- Neubauten (fast) ohne Industrie
- Netz füttern
- Ab in den Korb
- Echo aus dem Südwesten
- Echo Echo

[…] Das. […]
[…] Bow Wow Wow’s “C30, C60, C90, Go” gar nicht erst. Schließlich hielt man die Compact Cassette für den Untergang des Abendlandes. Und eine Cassette, bei der nur eine Seite bespielt war, erst […]