Die virtuelle Karawane zieht weiter
Schade, auf der einen Seite freut es mich, das ein bißchen Bewegung in die Blogblase kommt, auf der anderen Seite ist es bedauerlich, das so manch’ spannendes Thema links liegengelassen wird. Beispielsweise die Abmahnung der Universal Music GmbH gegen den Jeriko One Blog. Kurz blitzt die Geschichte auf, köchelt in den Kommentaren und endet, mehr oder weniger, kommentarlos. Gut, vielleicht denkt sich der eine oder andere: “Viel zu unspektakulär, welche Sau soll’n wir denn hier durch’s Dorf treiben?“, schließlich hat Christoph von Jeriko One die Abmahnung, wenn auch murrend, bezahlt und damit hat es sich erledigt. Vielleicht ist der eine oder andere Leser seines Blogs auch nur “enttäuscht”, weil sich Christoph nicht stellvertretend zum Helden gemacht hat? Oder sich mindestens zum Don gegen die bösen Windbeutelmühlen der Musik-Industrie aufgeschwungen hat?
Dabei steckt in der Abmahngeschichte einiges an spannendem Diskussionsstoff drin. Zumal hier zwei Themen aufeinander treffen, die in der Blogblase immer wieder für Wirbel sorgen. Zum einen natürlich die Abmahnung an sich und zum anderen das Thema Spielen. Gerade Spiele scheinen in letzter Zeit ganz oben auf der Themenliste zu stehen. Sicher auch durch die fette Second Hype Life Blase, die ja nicht nur diverse Blogs beschäftigt, sondern es auch auf die Titelblätter der Printmedien geschafft hat. Mich persönlich kickt das Thema zwar nicht für 2 Cent, aber wenn’s schön macht und nicht ansteckt… Genauso wenig kann ich die Begeisterung für Spielekonsolen teilen, aber die Kids stehen drauf und dann soll man sie auch spielen lassen. Besser als das sie sich Haschpillen spritzen. Und meinetwegen können sie sich dafür auch bezahlen lassen. Dann reißen sie wenigstens alten Omas nicht die Handtaschen vom Arm.
Nun ging es bei der Abmahnung der Universal Music GmbH gegen Jeriko One nicht um virtuelles Leben aus zweiter Hand, noch um bloggende Playstation 3 Nerds, sondern erstmal um Musik, bzw. Urheberrecht. Rein rechtlich betrachtet gab’s da wohl nichts dran zu wackeln, Christoph hat auch dementsprechend gezahlt. Interessant bei der Geschichte ist der Weg, über den der Song von Nine Inch Nails den Weg auf die Jeriko One Seite gefunden hat. So wie es aussieht ist der abgemahnte Song Teil einer - Achtung Modewortalarm - viralen Marketing Kampagne, verpackt in ein sogenanntes Alternate Reality Game. Auf laut.de wird diese virtuelle Schnitzeljagd einigermaßen verständlich beschrieben und fudder.de packt noch ein paar Details drauf. Und hier wird im Year Zero Blog mitgespielt. Eigentlich ja genügend Futter für die Blogblase dort einzusteigen? Naja, das Interesse an dem Thema scheint sich in Grenzen zu halten. Auch auf dem Abmahn-Blog gab’s gerade mal einen Kommentar. Die Aufmerksamkeit der Blogblase in Sachen virales Marketing scheint sich momentan voll und ganz auf Hape Kerkelings VW-Blog zu beschränken. Obwohl, viral? Naja, egal. Ich finde die NIN Geschichte einfach spannender. So wie es ausschaut, scheint das Leck, das auf Klo gern mal USB-Sticks mit unveröffentlichten Songs liegen läßt, NIN-Chef Trent Reznor himself zu sein. Die Universal Deutschland scheint von der Kampagne aber nichts gewußt zu haben. Oder gewußt haben zu wollen. Reznor gilt ja auch als etwas “schwierig” im Umgang mit den Labels. Und an der Plattenfirma vorbei zu veröffentlichen, scheint bei ihm nicht unüblich zu sein. Eine Marketingpolitik, die den Fans von NIN gefällt.
Ich hab’ mal bei Technorati geschaut was die Blogblase momentan zu NIN+Reznor auswirft und viel spannendes war nicht zu finden. Die Internetkapitäne feierten vor 4 Tagen das virale Marketing (kein Wort zur Abmahnung), der Sc-Fi Blog ngc6544 beschränkte sich vor 8 Tagen auf Reznors Zukunftsversion, ebenso vor 8 Tagen gab’s kritisches zum Thema (inkl. Link zur Abmahnung) bei rue’s headroom. Vor 9 Tagen der Beitrag von Falk, der auf die Tücken des viralen Marketings hinweist und das Schweizer 78’s Blog, das im Abspann zur Schnitzeljagd auch die Abmahnung erwähnt. Kein Vergleich zu dem was sich in den letzten 9 Tagen zu Schlämmer+VW in der Blogblase los war, geschweige denn zu Second+Life…
Immerhin, Miss Caro mag nicht mit der Vertigo/Universal befreundet sein.
Kommentare
6 Kommentare zu “Die virtuelle Karawane zieht weiter”
Na, dann mal los!
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So oder so ähnlich schrieb ich bereits:
- Happy Birthday, altes Haus
- Ein guter Tag...
- Rechtfertigung
- Notizblog No.43 - Das Landgericht tagt
- Top 3 der Blogcomedy
- Neues vom Arbeitsmarkt
- Notizblog No.37 - Blogblah reloaded
- Sommerloch in 12 Akten
- Das beliebte Sommerloch
- Lang, länger, am längsten...
- Ich hab' den längeren...
- Abmahnschaum
- Blogblähung
- Von Null auf Drei
- Warten auf den Pausenclown
- Brot und (Back)spiele
- Dinge, die die Welt braucht
- Hier...
- Longtail, ich komme.
- YouPentagon
- Katzen
bildergezwitscher im Selbstversuch - Das Ende des Schwanzvergleichs
- Abmahnspam aus der Zukunft...
- Hallooooo?
- Sorry Bushido
- Alles wird gut (?)
- Der Fisch stinkt vom Kopf oder auf den Hund gekommen?
- Es muss Schluss sein mit dem Jammern
- Out For Lunch
- Durchsichtiger langer Schwanz
- Aufmerksamkeit und Auszeit
- Hossa...
- Mutantenstadl ohne Ahnung
- DJV-Blog Pressefreiheit
- Und nun zur Werbung
- Hauptsache wohlgeformt!
- Viraler Griff ins Klo
- Irgendwie Presse
- Blog is the new Pop - Revisited often
- PRostitution
- Blogblah
- Statistisches Buntesamt
- So'n Scheiß aber auch
- Extraordinary Nickligkeiten
- Blogkompatibel revisited
- Flohmarktcore
- Abmahnwahncore
- Opel Ga
ng mit Grantie - Haltet den Dieb
dings @ identi.ca
Naja, im Schutz der Dämmerung setzen wenigstens ein paar Unerschrockene weiterhin Links auf die Downloads. Und wie du schreibst, rein rechtlich ist an der Abmahnung ja (leider) nichts auszusetzen. Und über Moral brauchen wir in Bezug auf die Musikindustrie nicht diskutieren, da gibts keine.
[…] Die virtuelle Karawane zieht weiter at slidetone.blog […]
Tja, so sindse halt, die sensationsgeilen Blogger, immer auf der Suche nach dem nächsten Skandal :-)
Ich kann mir durchaus vorstellen dass einige enttäuscht sind oder so, aber ich bin bei einer Sache, die rechtlich ziemlich klar ist, doch nicht so verrückt und spiel den Rebellen und ziehe vor Gericht. Meine einzige Chance wäre wohl eine Bekenntnis von irgendwem gewesen, dass er die USB-Sticks platziert hätte. Halt, nicht mal das. Ach naja, war eben ein Lehrstück, anders kann es wirklich nicht beschreiben.
NIN bzw. Trent Reznor sind sicher keine Unbekannte, aber letztlich wohl immer noch ein Insider-Tipp. Vermutlich rührt auch daher das mangelnde Interesse in der Blogosphäre, der Kahlkopp von Britney und das Hackfressen-Gebiss von Schlämmer (beides exemplarisch…) sind da schon ergiebiger, da eben bekannter. Verübeln kann mans einem ja nicht.
Sicher, aber den Nächsten triffts bestimmt. Grad bei Universal und seinen schiesswütigen Anwälten in Hamburg. Wenn ich dann noch bei dir rauslese, dass da ein Stück “Denunziantentum” diese überhaupt erst auf dich haben aufmerksam werden lassen, ist der Nachgeschmack noch bitterer als ohnehin. Aber wie ich schon schrieb, über Moral brauchen wir uns da leider nicht unterhalten. Das Universal gern den Klageweg beschreitet, wissen ja nicht nur Privatleute zu “schätzen”.
[…] auch angenommen. Ich bin gespannt, ob und wie die Universal auf seine Mail antwortet. War ich hier vielleicht etwas zu […]
[…] steht da natürlich kein Wort - geht natürlich wieder ein Murren und Klagen durch Teile der Blogosphäre. Wobei das Murren jetzt ein bischen spät kommt. Okay, wir waren mit Hausbootparties […]