Publish it. Write it. Sing it.
Zum Glück irrte Isodor von Sevilla, zufällig heute vor 1371 Jahren verstorbener Bischof und Autor der “Zwanzig Bücher der Etymologien oder Ursprünge“, als er behauptete:
Wenn sie nämlich nicht von den Menschen im Gedächtnis behalten werden, vergehen die Töne, weil sie sich ja nicht aufschreiben lassen.
Das Wissen um die Notation von Musik war im frühen Mittelalter einfach verloren gegangen. Dabei deutet vieles darauf hin, das die alten Ägypter schon 4000 Jahre vor Isodor Musik aufschrieben, um sie nicht zu vergessen. Noch nicht ganz so lang schreiben Gitarristen Tabulaturen, kurz Tabs, und stellen sie ins weltweite Netz. Schon zu Zeiten als das Web noch nicht bunt flackerte und Usenet hieß, erfreuten sich Tabs einer großen Beliebtheit. Tausende von Gitarristen hörten Songs raus, notierten sie in einfachen Tabulaturen und stellten sie im Netz anderen Gitarristen zur Verfügung. Eine der ersten populären Websites der Neunziger Jahre war OLGA, eine Seite die Tabs aus dem Usenet archivierte.
Der Erfolg der Tab-Seiten läßt sich recht einfach erklären. Kaum ein Musikverlag veröffentlicht noch Noten, geschweige den Tabulaturen. Das Angebot ist überschaubar. Das Bedürfnis nach Tabs ist deutlich größer. Mitte der Neunziger waren schon mehr als 50.000 Tabulaturen im OLGA-Archiv. Der größte Teil davon ist nie von Musikverlagen veröffentlicht worden. Trotzdem wurde OLGA und andere Tab-Seiten immer wieder von Musikverlagen torpediert und stillgelegt. Nun soll es endlich zu einer gütlichen Einigung kommen. Ein Teil der Werbeinnahmen, über die viele Tab-Seiten sich finanzieren, soll an die Verwertungsgesellschaften abgeführt werden, die wieder einen Teil an die Verlage abführen. Klingt ja eigentlich okay, hat aber einen fetten Haken. Für jede einzelne Tabulatur muß der Seitenbetreiber das okay der Verlage und Künstler einholen. Meine Prognose: das wird nicht funktioneren. Zusätzlich kommt noch das Problem dazu, das sehr viele Tabs, da rausgehört, fehlerbehaftet sind und somit eben nicht das Originalwerk darstellen. Egal, Hauptsache die DRM-verstrahlten Verlage können an dem, was sie gar nicht geschaffen haben, kräftig mitverdienen.
This song is Copyrighted in U.S., under Seal of Copyright #154085, for a period of 28 years, and anybody caught singin’ it without our permission, will be mighty good friends of ourn, cause we don’t give a dern.
Publish it. Write it. Sing it. Swing to it. Yodel it. We wrote it, that’s all we wanted to do.
[Aus einem Songbook von Woody Guthrie]
Mehr dazu im SpiegelOnline: Hol das Beste aus dem User und im Blog von Darren Barefoot Legalizing Guitar Tabulature Online.
Kommentare
Na, dann mal los!
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So oder so ähnlich schrieb ich bereits:
- Lokalnachrichten #34 - Ein Blick auf illuminierte Backformen
- Lokalnachrichten #33 Docks vor dem Aus - Reloaded [Update II]
- Lokalnachrichten #32 - Docks vor dem Aus?
- Rage Against The Megaphone
- Notizblog No.50 Lesebefehl - TUXAMOONmagazine
- EMI mit ohne DRM und Sony mit ohne Plastik
- Jemand zu Hause?
- Das Album ist tot, es lebe...
- Alles wird gut (?)
- Viraler Griff ins Klo
- Home F*cking
- Pussy Radio
- Jam & more revisited
- Gehörnt nochmal revisited
- Grundsatz Renner
- Netlabelmania und der gute Schwede
- Neubauten (fast) ohne Industrie
- Ab in den Korb
- Echo aus dem Südwesten
- Echo Echo

dings @ identi.ca