Die Folgen aus 30 Jahren Rockpalast
Gestern wurde nicht nur das Ende der Popkultur angekündigt. Es gab auch im WDR Fernsehen die erste von 30 Folgen “30 Jahre Rockpalast” zu sehen. Die 30 minütigen Folgen werden jeweils Samstag um 23:00 Uhr gezeigt. Ich war ziemlich gespannt, was mich da erwartet. Keine andere Musiksendung war für meine musikalische Sozialisierung wichtiger und nachhaltiger als die ersten 10 Jahre Rockpalast.
Um es kurz zu machen: Enttäuschung und Freude liegen nah beieinander. 30 Minuten pro Folge ist natürlich zu kurz. In der ersten Folge wurden ausschließlich Konzertausschnitte gezeigt. Keine Interviews, keine Backstageszenen, keine nachträgliche redaktionelle Aufarbeitung. Gut, 30 Minuten nonstop sehr gute Livemusik bekommt man sonst kaum noch geboten. Alle Folgen zusammen würde das 15 Stunden Livemusik ergeben. Nun weiß ich nicht, wie das in den kommenden Folgen gehalten wird, doch ich finde das ausschließlich Musik dem Format Rockpalast nicht gerecht wird. Gerade die ersten Jahre der Rockpalast Nächte in der Gruga Halle lebten mit von den großartigen Interviewsequenzen wärend der Umbaupausen. Allen voran Lowell Georges Antwort auf die Frage ob Slidespielen schwierig sei und natürlich Allan Bangs legendär vernebeltes Brausebrand Interview mit Patti Smith.
Mal schauen was von meiner persönlichen Wunschliste in den nächsten Folgen zu sehen sein wird. Immerhin gab’ es in der ersten Folge schon zwei meiner Alltime Rockpalast Favoriten zu sehen: Die Who 1981 mit “Won’t get fooled again” (trotz Roger Daltreys Ringelpulli, dafür gibt Pete Townshend überzeugend den Godfather of Punk) und Elvis Costellos “Shipbuilding” (natürlich ohne Chet Bakers Trompete, dafür mit einem völlig verschwitzten Steve Nieve). Die 1983′er Rockpalast Nacht war eine dieser seltsamen (aber charmanten) Zusammenstellung von Liveacts die nicht wirklich zueinander passen wollten. Vor Costello spielte Bryan Adams (den man damals durchaus noch okay finden durfte), danach Cheap Trick, von denen ich mir “Surrender” gewünscht hätte. Vielleicht anstelle der nur semilustigen Version von “You really got me” der Kinks (bei denen nur Ray Davies 1982 zu überzeugen wußte. Der Rest der Band klang gerade mal so, wie man es sich von einer mittelprächtigen Kinks Coverband vorstellen würde). Natürlich hätte man aus der 1981′er Rockpalast Nacht auch Greatful Deads Jam mit Pete Townshend über Buddy Hollys “Not Fade Away” zeigen können und warum gab’s in der ersten Folge nichts von Rory Gallagher? Aber es kommen ja noch 29 weitere Folgen. Jeweils Samstag, 23:00 Uhr - 23:30 Uhr.
Edit: Gerade eben gelesen: am 21.07. wird die erste Rockpalast Nacht von 1977, mit Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinn wiederholt. Los geht’s um 23:00 Uhr und enden wird es am frühen Morgen um 4:24 Uhr mit dem Klassiker “Eight Miles High“.
Kommentare
5 Kommentare zu “Die Folgen aus 30 Jahren Rockpalast”
Na, dann mal los!
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dings @ identi.ca
Cool. Ja, ROCKPALAST, das war damals das Ding!
Erinnert sei noch an den großartigen Auftritt von der J. GEILS BAND (http://www.jgeils.com/)
Jepp, die Rockpalast Nacht mit der J.Geils Band war eine der ganz großartigen Nächte. Zum einen eine der unfassbaren Kombinationen: erst J.Geils Band, dann Patti Smith und dann Johnny Winter. Soweit ich mich erinnern kann erzählte Magic Dick im Interview das er seine Blues Harp Micros bevorzugt aus New Yorker Taxis klaut. “Teresa” war jahrelang meine Lieblingsballade, bis das Tape so abgenudelt war das mein Cassetenrecorder es einfach auffrass. Und J.Geils himself gehört ja zu den ganz wenigen unpeinlichen Flying V Gitarristen (ausser Lonnie Mack und Chris Spedding fällt mir auch sonst keiner ein).
Über Patti Smiths Auftritt muß man kein Wort mehr verlieren. Das war schlicht Kult (inklusive dem legendären “Interview” mit Alan Bangs). Unfassbar geil. Und Johnny Winter tat was er am besten kann. Was für ein großartiger Abend.
Rockpalast war für ZZ-Top das Sprungbrett in Deutschland und nicht nur für die.
1981? Himmel, so lange ist das her? Ich durfte damals The who eigentlich nicht gut finden und fand sie Klasse und mußte von den Greatful Dead begeistert sein, aber war es nicht. Wobei ich immer noch grinsen muss, wenn ich an die (offenbar) schwer bekifften Gitarrenstimmpausen denke.
ALso für mich war der Rockpalastauftritt von “The Kinks” der
absolute Knaller !!
Dave Davies spielte wie ein junger Gott an der Klampfe und
Ray Davies ist ohnehin der Grösste. Ein Genie wie es ihn nur einmal gibt. Jim, Mick und Ian waren gute und verlässliche Begleiter.
Ein Hammersong jagte den nächsten.
Ich werde dieses Konzert niemals vergessen.
God save the Kinks.
Hab Ray Davies kürzlich live mit seiner jetzigen Band gesehen.
Ob ihrs glaubt oder nicht, wir schreiben das Jahr 2008 und der Mann hats immer noch genauso drauf, als wär die Zeit stehengeblieben.
Im September läuft in London Rays neues Musical an.
Ray ist ja soooooooooooo vielseitig.
God save Ray Davies.