Abmahnschaum

Mal ehrlich, ob MC Winkel Karl-Heinz Schwensen, wenn er ihm auf dem Kiez begegnet wäre, auch zugerufen hätte: “Yo N****-Kalle, was geht mit deiner kühlen Brille, Alda?“. Wohl eher nicht, oder? Eigentlich sollte es sich doch bis in den letzten Winkel rumgesprochen haben, das das, was die Österreicher einst als Schwedenbombe und der bayrische Hinterwäldler als Bumskopf bezeichnete, jetzt Schokokuss oder, wenn’s denn unbedingt zwangsluschtig sein soll, Schaumkuss mit maximaler Pigmentierung heißt. Früher war irgendwie alles anders, da hieß Twix noch Raider und auf’m Kiez gab’s für tumbe Respektlosigkeit Backenfutter fett, bei dem die Eigenbeteiligung zum Zahnersatz locker die 899,40 Euro überschritten hätte.

Kommentare

2 Kommentare zu “Abmahnschaum”

  1. Matt am 31. Juli 2007 1:41 am

    Nun, das kann ja AUCH noch passieren … ;-)

  2. Boogie am 31. Juli 2007 12:14 pm

    Matt, um das mal klarzustellen, bevor das hier eine Schlagseite bekommt, die nicht in meiner Absicht liegt. Ich bin auf dem Kiez aufgewachsen und schätze deine rückseitigen Reeperbahnbetrachtungen im Regelfall sehr. Und wie heißt es so schön? Ausnahmen bestätigen die Regel. Die rückseitige Hausbootgeschichte z.B. fand ich übel. Gewalt auf dem Kiez hab’ ich nie befürwortet, werd ich auch in Zukunft nicht befürworten und ich sehne mich auch nicht nach der “guten alten Zeit” auf dem Kiez zurück. Nichtsdestotrotz schätze ich den Kiez, insbesondere aus dem Blickwinkel des Musikers, der dort aufgewachsen und geprägt wurde. Und ohne etwas romantisieren zu wollen, hab’ ich auch immer geschätzt, das ein Teil des Milieus die Musikerszene aktiv unterstützt hat, als ein Beispiel sei mal das Chicago genannt. Das gibt’s heute nicht mehr, das bedauer ich und das wäre wohl auch das einzige, was ich mir aus der “guten alten Zeit” zurückwünschen würde. Ich darf mal Hannes Bauer zitieren:

    “Die speziellen Jungs von St. Pauli trafen sich hier, zeigten stolz ihre neuesten Mädchen vor, spielten Karten (tagelang, es war durchgehend geöffnet) und tätigten wichtige Geschäfte. Es gab auch ein Hinterzimmer… Ringo hatte einen niedlichen kleinen Hund, der sah aus wie die Mischung aus einem Schwein und einem Haifisch. Dieser Hund bewachte stets die Anlage auf der Bühne . Fortan ließen wir unsere Instrumente, auch die kostbarsten, bei Ringo im Chikago rumstehen. Es ist nie was weggekommen.

    Und jetzt zurück zum MC und Kalle Schwensen. Ich kann darüber nicht urteilen, ob Kalle je mit seinem Spitznamen “glücklich” war. Ist mir auch ziemlich egal. Wenn in anderen Bloghütten jetzt hämisch spekuliert wird, frei nach dem Motto, der hat ja selbst schuld, Fünf Freunde Deluxe und Dittsche durften ihn ja auch so nennen und Myspace und überhaupt… das geht mir alles am Arsch vorbei. Der Begriff “Neger” ist nun einmal rassistisch und diskriminierend belegt und Kalle geht jetzt dagegen an. Das ist imho sein gutes Recht. Punkt.

    Das Abmahnungen dafür kontraproduktiv sind, das die Auswirkungen groteske Formen (Stichwort: Internet, Archiv) annehmen (s. Stefan Niggemeiers Kommentar), das Abmahnungen Anwalts Sparstrumpf füllen und endlich vernünftig von Gesetzgeberseite gedeckelt werden müßten) steht auf einem ganz anderen Blatt. Darüber ist in Teilen der Blogosphere ja auch lang und ausgiegig diskutiert und berichtet worden. Ob nun Steinhöfel vs. Rainersacht, Brötchengate, Universal vs. Jeriko, Don vs. Turi oder jetzt Kalle vs. Winkel. Abmahnung sind scheiße suboptimal. Punkt.

    Mir gings schlicht um das nachträgliche Aufgepluster vom Winkelsen, den ich zwar nicht regelmäßig lese, aber wenn, dann nicht ungern. Hätte er geschrieben: “Hey, hab’ ich nicht drüber nachgedacht, ich hät’ Kalle ja auch auf der Straße nicht so angesprochen, also sorry und ‘tschulligung”, dann wäre alles fein. Wenn der Anwalt dann seinen Stiefel trotzdem durchgezogen hätte, hätte ich auch zur Solidarität mit dem MC aufgerufen. Aber so? Sorry, so nicht.

    Disclaimer: Ich bin Kalle Schwensen vor Jahren ein oder zweimal im Rahmen meiner musikalischen Aktivitäten persönlich begegnet. Mir wäre nicht im Traum eingefallen, ihn mit seinem Spitznamen anzusprechen. Ich hab’ auch niemanden aus seinem persönlichen Umfeld gehört, der ihn mit diesem Namen angesprochen hat. Und auf seiner Visitenkarte stand, soweit ich es erinnern kann, ein Spruch den auch Elvis auf einem Gürtel trug und der Homer Simpsons Lieblingstitel von BTO ist. Aber der Spitzname stand da, soweit ich es erinnere, nicht drauf.

Na, dann mal los!





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