Lokalnachrichten #33 Docks vor dem Aus - Reloaded [Update II]

Das Thema Docks vor dem Aus hatte ich ja gestern schon. Ebenso wie HH1:

[DOCKS vor dem Aus? - HH1 Video]

Heute gibt’s bei HH1 ein Interview mit Prof. Norbert Aust, Mitbetreiber der Schmidt Theaters

[Nachgefagt: Interview mit Norbert Aust (Schmidt Theater) - HH1 Video]

… und ein “Zusammentreffen” von Amir Ahmadi, dem Docks Betreiber, und Professor Aust.

Ganz toller Plan, Herr Professor: Einen Club in Grösse des Docks in einem Plüschtheater (das man ja auch ganz, ganz, ganz dringend auf dem Kiez braucht. Ham’ wa ja noch nicht) unterzubringen. Die Prinzenbar bekommt dann sicher einen Platz in der Besenkammer. Ausserdem wollen wir den Kiez in den Grenzen von 1933 wieder.

Erstaunlich, das Amir Ahmadi sich nicht noch mehr aufgeregt hat. Mein volles Verständnis hat er. Und mein Dank geht an @hschmidt für den Link.

[Update]: Ich habe gerade gesehen, das Hansjörg Schmidt das Thema heute auch wieder in seinem Blog aufgenommen hat: Die Emotionen kochen hoch am Spielbudenplatz. U.a. verweist er auf den Streit zwischen SPD und GAL ums Docks. Farid Müller, “Musikexperte” der GAL-Bürgerschaftsfraktion, wirft der SPD vor:

Die SPD-Fraktion spielt mit den Ängsten um den Musikstandort. Seit Wochen laufen Gespräche zum Erhalt des Docks am angestammten Platz. Ich bin optimistisch, dass ein gutes Ergebnis erzielt wird. Wer in einer solchen Phase Gerüchte über eine Abwicklung streut, der nimmt das Scheitern einer Lösung billigend in Kauf. Der Vorgang zeigt, dass die SPD noch immer nach ihrer Oppositionsrolle sucht. Gute Opposition ist kritisch - aber nicht destruktiv.

Wenn Farid Müller so “Gute Opposition” definiert, dann bin ich ganz besonders gespannt auf seine Definition von “Gute Koalition”. Achtung, Kallaueralarm. Im Umsetzen von grünen Grundsätzen, ist die GAL ja momentan in Hamburg ganz besonders “erfolgreich”. Und Farid Müller mag ja “Musikexperte” der GAL sein, aber ein Rockkonzert, in einem Club in Docks Grösse, scheint er noch nicht veranstaltet zu haben, geschweige denn auch nur einen Ansatz von Ahnung zu haben, wie ein Live Music Club in dieser Grössenordnung funktioniert:

Auf dem Grundstück lassen sich sowohl ein Theater als auch ein Musikklub realisieren.

[Quelle der Farid Müller Zitate: HH-Heute]

Wieviel mehr Gaga geht noch? Darf ich mal die MoPo zitieren?

Corny Littmann und Norbert Aust, die Betreiber des “Schmidt Theaters”, hecken mit Roncalli-Chef Bernhard Paul einen Plan aus: 900 Plätze, Shows auf Englisch, die sich mit dem Pariser “Lido” oder den Auftritten in Las Vegas messen können. “Wir wollen die Reeperbahn attraktiver machen”, so Norbert Aust.

Und wo bitte ist da der Platz für einen 1000′er Live Music Club? Mittenmang im Viva Las Vegas Touriplüschpalast, neben der Besenkammer, wo die Prinzenbar dann residiert? Die Idee ist ähnlich schwachsinnig, wie das Schmidt Theater einzuebnen, dort einen weiteren Penny Markt hochzuziehen und auf dem Penny Parkplatz im Winter das Rockspektakel zu veranstalten…

[Update 2]
Screenshot HH1
[Screenshot HH1. 10.10.08, ca. 20:00 Uhr]
Mal nachgefragt: Ist es eigentlich so schwer den Video Thumbnails in der Navigation der HH1 Video Seite einen aussagekräftigen Namen zu geben? Wäre ich nicht neugierig gewesen warum ausgerechnet das “Ahmadi trifft Aust” Video fast 1000 Hits hat, während das Aust Interview bei unter 50 Hits vor sich hindümpelt, hätte ich das Interview mit Docks-Betreiber Amir Ahmadi gar nicht entdeckt.

[Nachgefagt Interview mit Amir Ahmadi - HH1 Video]

Kommentare

4 Kommentare zu “Lokalnachrichten #33 Docks vor dem Aus - Reloaded [Update II]”

  1. boe am 10. Oktober 2008 12:39 am

    Tja, St.Pauli…

    Ich mach’s mal seeehr platt: Das war mal Sex, Drugs & Rock’n Roll.
    Diese Mischung machte die Reeperbahn zur wertvollsten Marke der Hansestadt in der Tourismus-Branche! Unsere Pfeffersäcke mögen aber keinen Rock, Sex haben sie schon lange nicht mehr und ihre Droge heißt Geld. Also wird schon seit Jahrzehnten daran gearbeitet, den “Sumpf” trocken zu legen und mit der Marke “St.Pauli” richtig Geld zu machen.
    Das das so nicht gehen kann, ist Typen wie Littmann mit seiner Profilneurose sch***egal, viele andere, - besonders in der Politik-, schnallen es einfach nicht.
    Aber die Finanzmärkte brechen zusammen, wir haben noch Hoffnung!
    Auch wenn die Decke im Docks komplett auf die Bühne fällt.
    Hoffentlich sitze ich dann nicht gerade an den Drums…

  2. Boogie am 10. Oktober 2008 10:09 am

    Den Tourismuspfeffersäcken ist die Marke Rock’n'Roll-Hamburg schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Anders ist es nicht zu erkären, wie man mit einem so hochwertigem Kultur-Erbe wie dem Star Club oder dem Onkel Pö in Hamburg umgegangen ist. Wo waren denn die Tourismusexperten, als man Holger Jass mit seinem Schimmel im Pö Keller allein lies? Es ging damals um die (wenn ich mich jetzt richtig erinnere) lächerliche Summe von 20.000,– DM, die gefehlt haben um das international bekannte Onkel Pö in seiner Substanz zu erhalten. Vor ein paar Tagen lief auf HH1 ein Interview mit so einem PR-Typen der beklagte, das Hamburg zwar deutschlandweit einen guten Ruf habe, aber international eine Nullnummer sei. Natürlich wurde die Elbphilharmonie als “die” Rettung der internationalen Reputation Hamburgs besungen (”Sidney… Oper… Hamburg dann auch… Wahrzeichen blah blah…”)… Hallo?

    Im übrigen passt es ja sehr gut ins Szenario, das Prof. Norbert Aust nicht nur Mitbetreiber des Schmidt Theaters ist, sondern auch stellvertretender Vorsitzender (und Schatzmeister) des Hamburger Tourismusverbands ist. Erstaunlich wiederum finde ich, das mit Folkert Koopmans wenigstens ein “Rock’n'Roll Sachverständiger” im Vorstand des Tourismusverband sitzt. Ich bin gespannt ob und wie sich der Scorpio Chef zur Docks Geschichte äussert.

  3. boe am 10. Oktober 2008 7:41 pm

    Das mit dem Pö weiss ich nicht mehr so genau, hätte unserer gemeinsamer Freund Nick jetzt besser gewußt :(
    Aber ich glaube, der Jass war auch krank und hatte keinen Bock mehr.
    Egal!
    Es ist doch aber so, dass es einfach eine mächtige Koalition von Immobilenfutzis, Politikern und Spekulanten gibt, die den Kiez komplett umkrempeln wollen. Dazu passen ja auch das Hotel auf dem Bavaria-Gelände und die “illuminierten Backformen”, wie Du so schön geschrieben hast. Die wollen die Altbauten luxussanieren und in Eigentum verwandeln, den Rest abreißen, und dass, was dann so nett “Segregation” heisst.
    Dazu passt natürlich kein besoffener Punk mit ‘nem Pils in der Hand…
    Leute wie Littmann wollen zahlungskräftiges Publikum, eben Rentner und Spießer auf Kieztour.
    In der Hafen-City besteht da ja keine Gefahr, so ungemütlich, wie es da ist. Und ‘ne Esso-Tanke gibt es da auch nicht.

    Ach ja, ist übrigens nicht neu: Ich war vor 18 Jahren mal als Kameramann auf einer Veranstaltung der sog. “IG-St.Pauli”.
    Eine illustre Versammlung von Luden, Gastronomen, Spielhöllen-Betreibern, Politikern und anderen Gangstern. Die haben diese Entwicklung schon damals angeschoben, weil die Aids-Welle das Geschäft zu ruinieren drohte. Klappte nur nicht so ganz, irgendwelche Albaner oder Russen oder wer weiß wer kam dazwischen.
    Nun gibt’s halt einen neuen Anlauf…

  4. Kle am 15. Oktober 2008 7:31 pm

    ich konnte es kaum glauben, als ich in der Zeitung über die Docks-Geschichte las. Vielleicht bald ja nur noch Musik in Konzerthäusern oder blechernen Stadtrand-Arenen. Mein einziger Trost: Bob Dylan am 17.&18. 10. 2003 im Docks, das hat dem Laden die letzte unsterbliche Aura a la abgefackeltem Star Club verliehen. Aus dem “Pö” wurde eine halbgare Medienkneipe namens “Legendär”, bei deren Betreten immerhin die Auftritte von Philip Catherine oder Joachim Kühn nachflimmerten. Jetzt sitzt das Schweinske drin. Kürzlich im Bus erzählte mir jemand, dass auch das Logo geschlossen werden soll.
    Meine alte These, über die Leute, die hier glücklich ankamen, stets den Kopf schüttelten: Hamburg ist flüchtenswerte Provinz, egal, wie dick sich der Hafen macht.

Na, dann mal los!





  • MBC09 Microblogging 2009 in Hamburg
    • dings @ identi.ca

      • slidetone: Kaffee. Jetzt.
      • slidetone:@np Wenn ich so aus dem Fenster schaue, dann ist Bill Withers' "Ain't no sunshine" das passende Gute-Nacht-Lied http://ur1.ca/ppo #np
      • slidetone: @Trupedo_Glastic Das schrieb er dir übrigens als Kommentar in besagtem "Tröte des Gehörnten" Blogbeitrag.

      Ist mir Latte

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